© Thomas Wolf /CC-BY-SA (via Wikimedia Commons)
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Grüne dementieren angebliche Zahlen aus Missbrauchsbericht

Am heutigen Mittwoch werden die Berliner Grünen den Missbrauchsbericht der Kommission „Aufarbeitung“ über die Ergebnisse ihrer Nachforschungen veröffentlichen. Im Vorfeld sorgt jedoch ein Artikel des Tagesspiegels für Aufregung. Der Umgang der Partei mit Pädosexualität wird hier mit einem klickfreundlichen Titel thematisiert: „Bis zu 1000 Missbrauchsopfer bei den Grünen“. Auch andere Medien haben bereits ohne weitere Recherche die Berichterstattung des Tagesspiegels übernommen.

Diesen Berichten widersprechen die grünen Landesvorsitzenden in Berlin, Bettina Jarasch und Daniel Wesener: „Diese Angabe im Tagesspiegel findet sich weder im Bericht wieder, noch entspricht sie dem Kenntnisstand der Kommission. Die Zahl wurde bei einer Veranstaltung der Heinrich-Böll-Stiftung am 26. März zur Aufarbeitung auf Bundesebene von einem Berliner Kommissionsmitglied genannt, war aber eine spekulative Aussage über mögliche Opfer, die es damals in Berlin und im Umfeld der Grünen gab. Bereits am 27. März haben wir dies gemeinsam mit dem Kommissionsmitglied richtiggestellt.“

Die Kommission „Aufarbeitung“ des Berliner Bündnis 90/Die Grünen-Landesverbandes setzt sich aus externen Fachleuten und grünen Parteimitgliedern zusammen. Für die Arbeit am Missbrauchsbericht wurden eigene und fremde Archivbestände gesichtet, Gespräche mit Zeitzeugen geführt und Recherche-Aufträge an zwei Historiker vergeben.

Laut Jarasch und Wesener gibt es aktuell einen Kenntnisstand über zwei verurteilte pädosexuelle Straftäter, die zu diesem Zeitpunkt Mitglied der Alternativen Liste waren. Beide tauchen bereits in dem sogenannten Walter-Bericht auf, der vom grünen Bundesverband in Auftrag gegeben wurde und 2014 veröffentlicht worden ist. Das eine Mitglied kam 1995 einem geplanten Parteiausschluss durch Austritt zuvor und ist wie das andere Mitglied zwischenzeitlich verstorben.

Beide waren strafrechtlich verurteilte Pädosexuelle. Aufgrund ihres Strafregisters und Hinweisen auf die von ihnen außerhalb der Partei betriebenen Netzwerke ist bekannt, dass durch sie viele Jungen Opfer von sexualisierter Gewalt wurden. Ob und wie viele weitere Parteimitglieder daran beteiligt waren, kann die Partei im Moment nur vermuten.

Umso intensiver ist die Kommission der Frage nachgegangen, ob durch die beiden bekannten Fälle oder Dritte auch in grünen Partei-Zusammenhängen – also in Parteiräumlichkeiten, am Rande von Veranstaltungen oder Sitzungen, bei Parteiaktivitäten wie Gruppenfahrten, Feiern, etc. – Kinder oder Jugendliche Opfer von sexualisierter Gewalt geworden sind. Einen Nachweis dazu gibt es bisher nicht.

Der Landesverband der Grünen äußert sich weiter in der Erklärung dazu: „Natürlich können wir nicht gänzlich ausschließen, dass es solche Opfer gibt. Diese Unsicherheit benennen wir in unserem Kommissionsbericht und sie ist für uns eine Verpflichtung.“

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