© Ludovic Bertron /CC-BY-SA 3.0 (via Wikimedia Commons)
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Berliner CSD e. V. versus Aktionsbündnis: Ein Trauerspiel!

„Die kommen sowieso nicht!“ – das war gestern die feste Überzeugung nicht weniger Mitglieder des CSD-Aktionsbündnisses im Berliner Café Ulrichs. Doch sie hatten sich getäuscht, denn zwei Vorstandsmitglieder des Vereins „Berliner CSD e. V.“ erschienen sehr wohl, und zwar gemeinsam mit Geschäftsführer Robert Kastl. Es sollte darum gehen, die unterschiedlichen Positionen zu klären und dabei womöglich Gräben zuzuschütten.

Berliner CSD e. V. versus Aktionsbündnis

Es hat nicht geklappt. Mehr noch: Das, was da gestern im Café Ulrichs abging, war streckenweise eine Katastrophe, und da hilft es auch nicht, dass auf beiden Seiten durchaus ein Wille zur Verständigung zu erkennen war. Die Vernünftigen blieben einmal mehr auf der Strecke, schnell kursierten Killerphrasen wie der „Point Of No Return“ sei erreicht! Ursache und Wirkung dieses Zerwürfnisses wurden wie bei den CSD-Foren zuvor munter miteinander verwechselt, und der kluge Appell eines Teilnehmers, wonach es doch wichtig sei, „die gemeinsame Basis“ nicht aus den Augen zu verlieren beziehungsweise zu ermitteln, verhallte in diesem Grabenkrieg annähernd ungehört.

Killerphrasen und Nazi-Vergleiche

Und dann, nachdem die hinlänglich bekannten Kritikpunkte ausgetauscht waren, berichtete CSD-e.V.-Vorstandsmitglied Sissy Kraus fast in einem Nebensatz etwas Ungeheuerliches. Sie erzählte, dass es ihr nicht gut gehe, was auch daran liege, dass Menschen aus der sogenannten „Community“ sie in diesem Streit in die Nähe von Nazis gerückt und ihr dabei empfohlen hätten, „in den Führerbunker zurückzukehren“. Auch habe es Anrufe bei ihrem Arbeitgeber, einer Anwaltskanzlei, gegeben mit der klaren Intention, ihr zu schaden. Die Frage des Autors dieses Beitrags, ob die Person, die diese ungeheuerliche Nazi-Entgleisung zu verantworten hat, im Aktionsbündnis engagiert sei oder sogar am Tisch sitze, verneinte Sissy Kraus. Ein „Nein!“, das sie allerdings in punkto des Versuchs der Verunglimpfung beim Arbeitgeber nicht wiederholen wollte. Die betroffene Haltung, die Sissy Kraus bei alledem in ihrer Mimik, Gestik und Wortwahl einnahm, konnte man ihr getrost abnehmen. Es war echt. Ja, da saß eine Frau, die fertig war, und dass in dieser traurigen Gemengelage der Vorschlag, man möge nach dem CSD am 21. Juni zeitnah ein Mediationssverfahren mit einem unabhängigen Streitschlichter einleiten, allenfalls müde belächelt wurde, macht das Ganze nicht besser. Am 21. Juni 2014 werden in der deutschen Hauptstadt Hunderttausende LGBT-Menschen auf drei unterschiedlichen Veranstaltungen feiern. Würden sie auch nur ansatzweise wissen, was in Berlin los ist, dann würden sie vor lauter Scham die Reise gar nicht erst antreten.

Bild: © Ludovic Bertron /CC-BY-SA 3.0 (via Wikimedia Commons).

Written by Holger Doetsch

Holger Doetsch ist Bankkaufmann, Redakteur und Autor verschiedener Bücher, unter anderem "Elysander" und "Ein lebendiger Tag". Im Journalismus kennt er alle Seiten des Tischs, er publiziert in mehreren Zeitungen und Onlinemedien, war Pressesprecher (u. a. in der letzten DDR-Regierung) und unterrichtet seit 1995 Journalismus, PR sowie Rhetorik an verschiedenen Hochschulen.

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