© Ludovic Bertron /CC-BY-SA 3.0 (via Wikimedia Commons)
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QueerblickTV porträtiert Homosexuelle in ganz Deutschland!

Vicky war 15 Jahre alt, als sie ihr Geheimnis lüftete. Mit Eltern, Großeltern und Geschwistern saß sie in einer Runde beisammen. Auch eine gute Bekannte war dabei. Zumindest hielten die Verwandten sie für diese. „Plötzlich habe ich sie einfach abgeknutscht„, erzählt die blauhaarige Mühlhäuserin. Ab dem Moment war klar: Vicky hat eine Freundin! Sie steht auf Frauen.

Ja, die Großeltern hätten schon kurz getuschelt, erzählt die inzwischen Neunzehnjährige. Zu krass sei die Überraschung gewesen. Doch von ihrer Familie habe sie bis zum heutigen Tag großen Rückhalt erfahren. Einige vermeintliche Freunde drehten ihr nach dem Coming-out den Rücken zu, doch dafür knüpfte Vicky einige neue Kontakte – zu Menschen, denen Ehrlichkeit, Charakterstärke und Liebenswürdigkeit einfach wichtiger sind als sexuelle Orientierung oder geschlechtliche Identität. „Ich habe gemerkt, wer die wahren Freunde sind„, sagt sie glücklich.

Um andere Menschen zu ermutigen, so zu leben wie sie es sich selbst vorstellen, ohne einen Teil der eigenen Persönlichkeit verstecken zu müssen, ist Vicky dieser Tage vor die Kamera getreten. Vor die Kamera der Reporter von QueerblickTV. Sie porträtieren Homosexuelle in ganz Deutschland  mit „queer durch Deutschland“.

Das Filmteam reist zur Zeit durch alle Bundesländer, um jeweils eine Person zu porträtieren. Auf YouTube werden die Ergebnisse im Herbst zu sehen sein. „Immer mehr Jugendliche trauen sich früher ein Coming-out zu als noch vor einigen Jahren„, erklärt Falk Steinborn, der Chef der Truppe. „Aber je früher dies passiert, desto schwieriger kann es auch werden.“ Junge Jugendliche seien noch nicht so selbstbewusst wie vielleicht ein paar Jahre später. Es kostet Mut und Kraft, sich vor Freunden, Mitschülern und Eltern zu beweisen.

Die Menschen, die vor der Kamera erzählen, gewähren Einblicke in ihre Lebensgeschichte, berichten davon, wie ihnen nach dem Coming-out ein Stein vom Herzen fiel, was sich danach geändert hat, erzählen von Problemen, aber machen auch Hoffnung und Mut. „Wir möchten die Vielfalt der jungen Generation in Deutschland zeigen„, sagt Falk Steinborn. Schließlich gebe es nicht nur in den Metropolen Schwule und Lesben, sondern eben auch im ländlichen Raum. Zum Beispiel eben in Mühlhausen.

Vicky pendelt in ihre Freizeit oft nach Erfurt – schließlich wohnt dort ihre Freundin. Doch im Alltag geht es weniger romantisch zu: Die 19-Jährige absolviert derzeit ihre Ausbildung zur Versicherungskauffrau. Ein wenig falle sie da mit ihrer farbenfrohen Frisur schon auf, gibt sie zu. Doch bei den Kunden komme dies erstaunlich gut an; das habe ihr Chef erklärt.

Von „queer durch Deutschland“ hat sie im www erfahren. In ihrem Youtube-Kanal hatten die vier Nachwuchsjournalisten in die weite Netzwelt gefragt: Wer möchte teilnehmen? (queerpride berichtete)
Als ich das gesehen habe, habe ich mich direkt beworben„, sagt Vicky. Die Thüringerin wurde inzwischen per Kamera verewigt.

Die Leute, die sie in jedem Bundesland treffen, geben ihnen stets neuen Gesprächsstoff. „In unserem Bus gehts oft zu wie in einer Therapiegruppe„, sagen sie lachend. Denn neben dem Gedanken der Aufklärung und Toleranz verbreiten sie vor allem eins: reichlich gute Laune. Und ihr Ziel? – „Dass die Akzeptanz der verschiedenen sexuellen Orientierungen und geschlechtlichen Identitäten zur Normalität wird„, sagt Falk Steinborn.

queerpride hält euch auf dem Laufenden und wünscht den Jungs weiterhin viel Erfolg und eine schöne Zeit bei ihrer spannenden Reise durch das queere Deutschland!

Bild: © Ludovic Bertron /CC-BY-SA 3.0 (via Wikimedia Commons).

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