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Zeugen Jehovas und Homosexualität: Unvereinbar!

Aus dem Stadtbild sind sie nicht wegzudenken – die Zeugen Jehovas (ZJ). Spricht man sie an, überreichen sie gerne die kostenlose Zeitschrift „Der Wachturm“ oder ihre Bibelauslegungen. Sie versuchen dabei wortreich, die Menschen – dies gerne auch an der Haustür – in ein Gespräch über ihr Wirken als „wahrhafte Christen“ zu verwickeln (unser Foto). Schmallippig werden sie allerdings immer dann, wenn Interessierte die ZJ nach ihrer Haltung zur Homosexualität fragen. Häufige Replik: Mit der Bibel sei diese Form der Sexualität unvereinbar!

Zeugen Jehovas: Homosexualität unvereinbar mit der Bibel

Es ist also nicht nur die Katholische Kirche, die mit Lesben und Schwulen ein Problem hat. Dass die Haltung der Gemeinschaft der ZJ dabei völlig aus dem Blickwinkel gerät, ist allerdings kaum nachvollziehbar. Es gibt hier viel strengere Regeln, die ihre Mitglieder brutal unter die Knute zwingen. Der ehemalige Sektenbeauftragte der Evangelischen Kirche in Berlin-Brandenburg, Pfarrer Thomas Gandow, bezeichnet die ZJ dabei gar als „autoritäre Sekte“.

Mehr noch, die Sektenmitglieder würden in einem „Gefängnis ohne Mauern“ leben, weil „der Druck rein psychisch“ sei. Gandows Sektenvorwurf ist durchaus nachvollziehbar, denn die ZJ versprechen nur den Mitgliedern, dass diese einen bevorstehenden Weltuntergang überleben werden. Sie bezeichnen sich dabei als die einzig wirkliche Christen. Vom Grundsatz her können Lesben und Schwule keine ZJ-Mitglieder sein. Ergo können sie auch keinen Weltuntergang überleben. Ähnlich wie die Katholische Kirche trennen die ZJ den homosexuellen Menschen dabei von seiner Sexualität, Schwule und Lesben verdienen somit also nur solange Respekt, wenn sie ihre Sexualität nicht ausleben.

Zeugen Jehovas: Homosexuelle werden von ihrem Tun abgetrennt

Es ließe sich auch so formulieren: Die ZJ trennen den Menschen von seinem Tun. Schon Kontakte von Gemeindemitgliedern mit Homosexuellen werden misstrauisch beäugt und nicht selten hinterfragt. So soll es Fälle gegeben haben, in denen behauptet wurde, man schliesse einen Pakt mit dem Teufel, wenn man mit Homosexuellen reden würde. Auch wird unterstellt, Homosexuelle würden mehr masturbieren als heterosexuelle Menschen, und Selbstbefriedigung ist den ZJ insgesamt streng verboten.

Dies alles, so ihre Sicht, sei eben mit der Bibel unvereinbar. In der ZJ-Broschüre „Fragen junger Leute – praktische Antworten“ kann man alles dies nachlesen. Die Bibel verlange vom Menschen, dass homosexuelle Handlungen zu unterlassen sind, was so allerdings nirgends steht, somit eine reine ZJ-Auslegung ist. Es gehe, so die ZJ weiter, bei alledem um „Selbstbeherrschung“, weil Gott dies so wolle, wobei Sex vor der Ehe auch den heterosexuellen ZJ verboten ist. Vollkommen abgelehnt wird die Homo-Ehe, auch sie führt quasi automatisch zum Ausschluss aus der Gemeinde, die weltweit aus etwa acht Millionen Mitglieder besteht.

Vor allem in Südamerika, Asien und Osteuropa wächst die Gemeinschaft der Zeugen Jehovas stark. In Deutschland gibt es nach gesicherten Erkenntnissen 160.000 ZJ, die ZJ-Spitze selbst behauptet, es seien 220.000. Alleine in Berlin lassen sich 75 ZJ-Gemeinden finden, besonders stark umworben werden von den ZJ Menschen mit Migrationshintergrund, die in Deutschland ein neues Zuhause gefunden haben.

Bild: © Steelman /CC-BY-SA 2.5 (via Wikimedia Commons).

Written by Holger Doetsch

Holger Doetsch ist Bankkaufmann, Redakteur und Autor verschiedener Bücher, unter anderem "Elysander" und "Ein lebendiger Tag". Im Journalismus kennt er alle Seiten des Tischs, er publiziert in mehreren Zeitungen und Onlinemedien, war Pressesprecher (u. a. in der letzten DDR-Regierung) und unterrichtet seit 1995 Journalismus, PR sowie Rhetorik an verschiedenen Hochschulen.

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