„Tolerantes Deutschland“, wo bist du nur?

Tolerantes Deutschland
Der Jugendverband der Katholischen Kirche will die sexuelle Mitbestimmung

Deutschland ein Land der Toleranz, ein Land für Gleichberechtigung, ein Land, in dem jeder sein kann, wie er oder sie will. Leider ist der Weg zu diesem, nennen wir es „Ziel“, noch offenbar sehr weit.


Denn immer noch kommt es zu homofeindlichen Äußerungen oder sogar Taten, meistens in der Öffentlichkeit. Da macht es auch keinen Unterschied, ob es um das Leben auf dem Land geht oder in der Großstadt, wie am Beispiel Stuttgart.

Einem Bericht der Bild zufolge wurden hier im Vorfeld der schwul-lesbischen Kulturwoche etliche Plakate zerstört, was einen Schaden von etwa 500 Euro ausmacht. Das Gros dieser Plakate zeigte zwei schwule Männer. Offenbar wird dies als Provokation angesehen. Akzeptanz? Toleranz? Scheinbar nicht zwingend im süddeutschen Raum.

Toleranz bereits im Kindesalter vermitteln

Doch was sich hier innerstädtischem Raum bemerkbar macht, schreckt andere wiederum ab, sich überhaupt öffentlich zu zeigen. So gibt es überall im Land verteilt Berufsgruppen, die nicht zu ihrer Sexualität stehen möchten, können, oder gar dürfen. Dabei könnte es so einfach sein, wenn man die Toleranz bereits im Kindesalter vermittelt. Schulen wären hier ein guter Ausgangspunkt.

Denn gerade dort entstehen meist die ersten Vorurteile – heute wie damals. Zwar hat das Schimpfwort „schwul“ mit Sicherheit aktuell eine höhere Brisanz, jedoch lindert es nicht seine Bedeutung. Das Ergebnis, Jugendliche Homosexuelle finden meist gar nicht den direkten Weg, sich öffentlich zu bekennen. Eher noch verbreitet sich Angst und als Folge dessen Depression, Schulverweigerung, etc. Oftmals bleibt es auch nicht nur bei Beschimpfungen nach dem eigenen Outing.

Tätliche Übergriffe sind im Alltag keine Seltenheit. Im Rückschluss bleibt man oft weiterhin im Verborgenen und erzählt nichts Falsches oder gar zu viel. Hier steckt die Aufklärungsarbeit noch immer in den Kinderschuhen. Auch wenn sich in den Bundesländern verschiedene Vereine darum bemühen, die Diskriminierung an den Schulen zu mindern, so profitieren noch längst nicht alle Bildungseinrichtungen davon.

Höheres Konfliktpotential bei unbeliebten Lehrern

Doch nicht nur Schüler sind betroffen, auch fürchten viele Lehrer den Schritt nach „Außen“. Die Annahme, sie seien damit angreifbarer, sobald sie sich mit dem Thema Homosexualität in Verbindung bringen, ist weit verbreitet und hängt häufig auch mit dem sozialen Status unter den Kollegen zusammen.

Viele nehmen sich zwar vor, so lange zu warten, bis ihre Position an der Schule gefestigt ist. Doch ob es dann tatsächlich soweit kommt, ist eine andere Frage. Viele befürchten, gerade auch unbeliebte Lehrer, ein höheres Konfliktpotential. Selten geht der Schritt in die Offensive, so zum Beispiel bei der Vorstellungsrunde in der Klasse. Wenn es jedoch dazu kommt, sollten Lehrer auch für Fragen ansprechbar sein.

So lange diese allgemein bleiben, kann so ein offenes und vielleicht sogar positives Verhältnis untereinander aufgebaut werden. Wie weit jeder geht, ist hierbei jedem selbst überlassen.

Bild: © savv/flickr.com

Written by Steffi Boehm

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