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Kommentar: Berliner CSD: Uganda? Russland? Fußball !!!

Die gestrige Sitzung des Berliner CSD-Forums war erwartungsgemäß entsetzlich frustrierend. Erneut wurde wenig über Inhalte und Strategiefragen diskutiert, sondern es überwogen auf beiden Seiten die hinlänglich bekannten Befindlichkeiten. Vom Vorstand des „Berliner CSD e. V.“ ging wieder mal eine zeitweise erdrückende Arroganz aus, dies verbunden damit, Fragen aus der Mitte des CSD-Forums entweder blumig oder gar nicht zu beantworten. Immerhin: Diese beliebte Taktik des Vorstands, die beim ersten CSD-Forum Ende Februar zum Eklat geführt hatte, wurde diesmal ein wenig dadurch gemildert, weil es endlich einen alles in allem fähigen Moderator gab, der schon von seiner Lebensleistung her von den meisten Teilnehmern akzeptiert werden konnte.

Ansonsten die üblichen Anschuldigungen gegen den Vorstand, der sich immerhin trotz aufgeheizter Stimmung darin durchsetzen konnte, dass vor der Behandlung von Geschäftsordnungsanträgen und Änderungen der Tagesordnung mit den Mitgliedern des Forums endlich über elementare Dinge wie die CSD-Route beziehungsweise der Streitpunkt CSD/Stonewall geredet werden konnte. Doch währte die Hoffnung auf eine inhaltliche Debatte leider nur sehr kurz, denn auf einmal – ist es zu fassen? – wurde elendig lang darüber diskutiert, ob man bei der CSD-Abschlussveranstaltung ein WM-Spiel zeigen soll oder nicht. Maßnahmen gegen Homophobie in Uganda? Solidarität mit der russischen LGBTI-Community? Fehlanzeige!

Was aber bleibt von dieser Veranstaltung? Zum einen, dass es so langsam vollkommen egal ist, ob der Vorstand des Berliner CSD e. V. bestimmte Fehler wirklich gemacht hat oder ob nicht. Es geht darum, dass Kastl & Co. nicht verstehen können oder nicht verstehen wollen, dass das Tischtuch unrettbar zerschnitten ist. Eine große Zahl in der Community also nicht mehr bereit ist, mit diesen Leuten weiter zusammenarbeiten. Und doch gibt es Ergebnisse die positiver nach Außen wirken: Das Projekt Stonewall wurde auf Antrag der Berliner Aidshilfe auf Eis gelegt und soll ab September 2014 mit einer breiten Diskussion in der Community wieder aufgenommen werden. Auch sind weitere Personen von der Kritikerseite in die vom Berliner CSD e.V. gegründete Transparenzgruppe aufgenommen worden. Das lässt hoffen.

Written by Holger Doetsch

Holger Doetsch ist Bankkaufmann, Redakteur und Autor verschiedener Bücher, unter anderem "Elysander" und "Ein lebendiger Tag". Im Journalismus kennt er alle Seiten des Tischs, er publiziert in mehreren Zeitungen und Onlinemedien, war Pressesprecher (u. a. in der letzten DDR-Regierung) und unterrichtet seit 1995 Journalismus, PR sowie Rhetorik an verschiedenen Hochschulen.

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