© Tomukas /CC-BY-SA 3.0 (via Wikimedia Commons)
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Eva Herman & Co. unterstützen die rechtspopulistische Partei AUF

Eva Herman (Foto) unterstützt die radikale Partei AUF. Und die ehemalige Tagesschau-Moderatorin ist nicht die einzige Prominente, die „Arbeit, Umwelt, Familie“ (AUF) so richtig klasse findet.

AUF-Fans: Hesemann, Herman, Meves & Co.

So sind die Publizistin Christa Meves und der Papstbuchautor Michael Hesemann, der ab und an durch Pöbeleien gegen Andersdenkende bei Facebook auffällt. Dabei wirken auch der Chefexorzist der Katholischen Kirche, sowie der Ex-Ministerpräsident der CDU in Sachsen-Anhalt, Werner Münch als Unterstützer.

Auch der konservative Autor Martin Lohmann soll Sympathien für die AUF hegen. Münch und Meves waren gar einmal Spitzenkandidaten bei zurückliegenden Wahlen, aus denen die AUF dann im Ergebnis als Splitterpartei hervorging. 2008 wurde die AUF gegründet, in voller Breite heißt sie „Partei für Arbeit, Umwelt und Familie, Christen für Deutschland“. Nach eigenen Angaben sammelt die AUF „Christen aus verschiedenen Hintergründen für eine kompetente und allumfassende Politik ein, welche sich konsequent an der zeitlosen und zuverlässigen christlichen Werteordnung ausrichtet.“

Von „Forderungen des Zeitgeistes“, so heißt es auf der Homepage des AUF-Bundesverbandes weiter, sei man „unabhängig“, und zu diesem Zeitgeistphänomen gehören in den Augen der AUF-Partei die Homosexuellen offenbar in einem besonderem Maße. Bei alledem muss auch noch die jüdische Religion herhalten, denn nach eigenen Angaben beruht die AUF „auf der jüdisch-christlichen Ethik“, was immer das auch bedeuten mag. Selbstverständlich wird auch „Gott“ als Unterstützer der AUF aufgelistet, was besonders unerträglich ist:

„Wir wollen uns daher ganz bewusst der Verantwortung vor Gott stellen. Gott hat dem Menschen Würde, Freiheit, Individualität, Vernunft und Verantwortlichkeit verliehen“, heisst es da. Dass Gott auch Homosexuelle erschaffen und ihnen eine Würde verliehen hat, wird nicht erwähnt.

AUF mag keine Homosexuellen. Das wiederum mag Eva Herman

Es gelte, den „ständig fortschreitenden Werteverlust in Europa aufzuhalten und zu korrigieren“, meint die AUF, und ein „Eintreten für den besonderen Schutz von Ehe und Familie als Gemeinschaft von Mutter, Vater und Kindern durch die staatliche Ordnung“ sei „dringend erforderlich“.

So was freut das Herz von Menschen wie Eva Herman, die sich ja bekanntlich auch für die Familienpolitik der Nationalsozialisten erwärmen konnte. Deshalb wurde sie von der ARD vor die Tür gesetzt. Der abgehalfterte Ex-CDU-Politiker Münch, der großen Wert auf das „Herr Professor“ vor seinem Namen legt, wird in seinen Forderungen sehr deutlich. Stellenweise etwas wirr spricht er in zwölf Thesen davon, dass es „kein Recht auf Abtreibung“ geben dürfe und auch „keine Notwendigkeit für die Werbung für Homosexualität sowie keine Vorzugsbehandlung für gleichgeschlechtliche Lebenspartnerschaften (…).“

Notwendige Differenzierungen, zum Beispiel bei der Abtreibungsfrage? Fehlanzeige! Und mit Blick auf die Behandlung von Homosexuellen scheint der Herr Professor Münch das Anti-Propagandagesetz in Russland aufmerksam studiert zu haben. Auf dessen Grundlage werden im Putin-Reich Schwule eingesperrt und verprügelt. Auch andere „Prominente“ wie eine gewisse Inge Thürkauf oder ein André Lichtschlag werden als AUF-Unterstützer aufgelistet. Der Herr Lichtschlag meint zum Beispiel, es sei gut, dass die „nimmermüde Publizistin“ Christa Meves „(…) Feminismus, Gender mainstreaming (…) scharf und tiefschürfend kritisiert“.

Deshalb gehöre sie ins Europaparlament, denn dort könne die fast 90-jährige Frau Meves „den Homo- und Frauenrechtlern wortmächtig als Alterspräsidentin Paroli bieten.“ Hat nicht geklappt, die AUF erhielt bei der Europawahl am 25. Mai 2014 gerade einmal 0,2 Prozent der Stimmen nach 0,1 Prozent beim Urnengang zuvor.

Eva Herman und die Toten von Duisburg: Zeichen Gottes

Eine Frau wie Christa Meves stört es offenbar nicht, dass die AUF-Haltung zu Homosexuellen genau gegen das verstößt, was im AUF-Programm als „rationale Begründung der Menschenwürde“ formuliert ist. Und auch das Wahldesaster des 25. Mai 2014 kann sie nicht aufhalten.

Sie ist zu Veranstaltungen eingeladen unter dem Motto „Die Familie ist unaufgebbar“ und schwadroniert in Kreishäusern in Güstrow oder im Gebetshaus Augsburg wie eh und je gegen alles, was ihrem überschaubaren Weltbild nicht entspricht. Dazu gehört bei der AUF auch das Thema „Sexuelle Vielfalt“, das nach den Plänen von Grün-Rot im Bildungsplan in Baden-Württemberg eine Aufwertung erfahren sollte. Eine „Sexualisierung von Kindern“, das gehe natürlich überhaupt nicht, so die AUF.

Da stört es diese rechtspopulistische Partei auch nicht, dass der Bildungsplan ein solches Unterfangen überhaupt nicht vorsieht. Ist Frau Meves dann fertig mit ihren Tiraden, verkauft und signiert sie ihre Bücher, das Engagement in der AUF scheint sich also auch privat durchaus zu lohnen.

Wes Geistes Kind die AUF ist, hat sich spätestens da gezeigt, als die Partei Eva Hermans Aussage nach dem Love-Parade-Unglück von Duisburg ausdrücklich unterstützte. Danach seien die 21 toten Menschen als „eventuelles Eingreifen Gottes“ anzusehen. Sie schrieb, die Loveparade sei eine „Sex- und Drogenorgie“ gewesen. Und dazu: „Eventuell haben ganz andere Mächte eingegriffen, um dem schamlosen Treiben endlich ein Ende zu setzen. Was das angeht, kann man nur erleichtert aufatmen (…).“

Wer solche Aussagen begrüßt, dies sei der AUF und ihren prominenten Unterstützern ins Stammbuch geschrieben, muss sich fragen lassen, ob sie nicht ihren Verstand verloren haben.

Written by Holger Doetsch

Holger Doetsch ist Bankkaufmann, Redakteur und Autor verschiedener Bücher, unter anderem "Elysander" und "Ein lebendiger Tag". Im Journalismus kennt er alle Seiten des Tischs, er publiziert in mehreren Zeitungen und Onlinemedien, war Pressesprecher (u. a. in der letzten DDR-Regierung) und unterrichtet seit 1995 Journalismus, PR sowie Rhetorik an verschiedenen Hochschulen.

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