Alan Turing
in

Eine fette Entschuldigung an Alan Turing

Alan Turing (1912-1954), eins der bekanntesten Opfer homofeindlicher Gesetzgebung der britischen Nachkriegszeit, ziert bald die 50 Pfund Note

Alan Turings Leben war kein Zuckerschlecken. Großbritannien feierte ihn Ende des 2. Weltkriegs als Held, da aufgrund seiner mathematischen Berechnungen der Enigma Code geknackt und der Kriegsverlauf zugunsten Großbritanniens beeinflusst werden konnte. Auch nach Kriegsende genoss er einen angesehenen Ruf und setzte mit seiner Arbeit Meilensteine für die moderne Computerwissenschaft.

1952 wurde Turing (damals 40) aufgrund einer sexuellen Beziehung mit Arnold Murray (19) inhaftiert. Homosexualität war gesetzlich verboten und sexuelle Handlungen mit unter 21-jährigen wurden besonders scharf verurteilt. Nach Bekanntwerden seiner sexuellen Orientierung ließ Turing – als Alternative zum Gefängnis – eine „chemische Kastration“ über sich ergehen, eine Hormontherapie, die jegliches sexuelle Bedürfnis im Keim ersticken sollte.

Diese unmenschliche Behandlung, der Verlust seiner Arbeitsstelle aufgrund seiner sexuellen Orientierung und die öffentliche Diskreditierung seines Rufs stürzten Turing in heftige Depressionen, die kurze Zeit später zu seinem Suizid führten. So wurde der gefeierte Kriegsheld und geniale Mathematiker zum Prügelknaben der Nation, der den Freitod wählte.

65 Jahre nach seinem Tod ist nun beschlossen, als Zeichen großer Anerkennung, Alan Turings Bild auf die höchste britische Banknote zu drucken, welche ab 2021 in Umlauf kommt. Großbritannien entschuldigt sich auf diesem Wege, bei einem seiner gestürzten tragischen Helden.

Schätzungsweise wurden in England 49.000 Personen Opfer dieser homofeindlichen Gesetzgebung, bis 1967 Homosexualität entkriminalisiert wurde. Filmtipp: Benedict Cumberbatchs Darbietung in „The Imitation Game“ (2014) zeigt Alan Turings Kampf mit sich selbst, mit Menschen, die er liebt und mit den damaligen homofeindlichen Autoritäten.

Written by Bernd Lange

Smalltown Boy – Der Besuch in der alten Heimat

Kanadische Regierung erwägt landesweites Verbot von Konversionstherapien