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Braucht Deutschland mehr Männlichkeit? AfD-Politiker irritiert mit ziemlich schwulem Statement

Träumt sich AfD-Politiker Björn Höcke womöglich heimlich in die Arme eines starken Mannes? Eine gestrige Rede des Politikers der Alternative für Deutschland (AfD) wirft Rätsel auf.

Mehr als 3.500 Menschen lauschten am Mittwochabend in Erfurt den Worten Björn Höckes auf einer Demonstration gegen die aktuelle Flüchtlingspolitik der Bundesregierung. Einfache Antworten auf komplexe Fragestellungen sind seit jeher das Konzept der AfD und anderer Parteien aus dem mitte-rechts Spektrum, das ist bekannt. Eine Erklärung, warum ausgerechnet „mehr Männlichkeit“ eine Lösung für Flucht und Fluchtursachen bieten kann, blieb der Politiker deshalb schuldig und lässt damit Spielraum für interessante Interpretationen.

Ist Björn Höcke ein Nazi?

Widmen wir uns zunächst aber der Frage, ob Björn Höcke möglicherweise ein Nazi ist. Obwohl sich die AfD im Allgemeinen um ein bürgerliches Image bemüht, gibt es Hinweise darauf, dass zumindest Björn Höcke Sympathien für das Dritte Reich und seine Eroberungspolitik hegt. So will der Blogger und Autor Andreas Kemper, der sich in seiner Arbeit intensiv mit den Motiven des AfD-Politkers befasst hat, erst kürzlich Indizien dafür gefunden haben. Höcke habe unter dem Pseudoynm Landolf Ladig in Publikationen des militanten Neonazis Throsten Heise bedauert, dass seinerzeit das „friedliche Deutschland aus ökonomischen Gründen überfallen“ worden sei. Die „Glut von damals“ sei noch nicht erloschen und es werde zu einer Revolution in Deutschland kommen. Nahezu identische Textpassagen konnte Andreas Kemper in einem Leserbrief Höckes aus dem Jahr 2008 an das Deutschlandradio finden. Er geht deshalb davon aus, dass sich hinter dem Pseudonym Landolf Ladig in Wahrheit Björn Höcke verbirgt.

Hypermaskulinismus als Daseinsberechtigung für schwule Nazis

Der Ruf nach mehr Männlichkeit dürfte jenen verdächtig bekannt vorkommen, die Rosa von Praunheims vielbeachtete Dokumentation „Männer, Helden, schwule Nazis“ kennen. Praunheim hat darin gezeigt, dass es durchaus Möglichkeiten für Männer gibt, schwul und gleichzeitig Nazi zu sein – allerdings nur dann, wenn sie ein hypermaskulines Männlichkeitsideal vertreten: „Wir Schwulen streben ja vielfach einem Männlichkeitsideal nach. (…)Ich bin schwul geworden, um auf echte Kerle zu stehen“, sagt der als rechtsradikal bekannte Alexander Schlesinger in der Dokumentation von 2005. Mit diesen „Tatütata-Huschen“ könne er „überhaupt nichts anfangen“.

Höcke beklagt Verlust von Männlichkeit in Deutschland und Europa

Auch Björn Höcke kann vermutlich mit „Tatütata-Huschen“ nicht allzu viel anfangen, ist doch die Grundhaltung seiner Partei gegenüber sexuellen Minderheiten eher eine ablehnende. Umso merkwürdiger erscheint der Wunsch eines, soweit bekannt ist, durch und durch heterosexuellen Mannes, nach der Wiedergewinnung einer angeblich „verlorenen Männlichkeit in Europa“, deren Verlust Höcke auf der gestrigen AfD-Veranstaltung beklagte. Bedeutet das nun, dass Björn Höcke heimlich auf Männer steht? Natürlich nicht! Eine interessante Schnittmenge mit den Motiven schwuler Nazis ist aber auch schwer von der Hand zu weisen. Nach Außen demonstrierte Homophobie ist uns als psychologisches Abwehrmotiv für eigene unterdrückte Gedanken und Gefühle ebenfalls bestens bekannt. Was nun noch fehlt, wäre eine flüchtige schwule Bekanntschaft, die den AfD-Politker outen könnte. Obwohl es eigentlich heißt „Kein Sex mit Nazis“, machen wir in diesem Fall eine Ausnahme und nehmen anonyme Hinweise jederzeit gern entgegen!

 

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