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Homopolitik: CDU/CSU hüllt sich in Schweigen

Die queerpride.de-Redaktion hat allen eine Chance gegeben: Drei Fragen haben wir an die Spitzenkandidaten und queerpolitischen Sprecher der im Deutschen Bundestag vertretenen Parteien, sowie an die Piraten und die AfD geschickt mit der Bitte, zu erläutern, wie sie zu Homosexuellen stehen. Fast alle Parteien haben geantwortet, nur eine nicht: CDU/CSU.

Einzig der CDU-Politiker Stefan Evers, Mitglied des Berliner Abgeordnetenhauses, hat unsere Fragen beantwortet. Das ist löblich, doch ist Evers a) kein Spitzenkandidat und b) auch nicht queerpolitischer Sprecher seiner Partei. Damit müssen wir konstatieren, dass niemand von CDU/CSU geantwortet hat, nicht mal eine Absage haben wir erhalten, was zumindest höflich gewesen wäre.

Ein solches Verhalten nennt man gemeinhin Ignoranz, eine Ignoranz indes, auf die wir uns schon eingestellt haben. Was auch hätte die Union denn auf unsere Frage antworten sollen, was sie für die Homosexuellen erreicht hat, und was sie in der kommenden Legislaturperiode zu tun gedenkt, damit auch im rechtlichen Bereich Diskriminierungen abgeschafft werden?

Die Homobilanz der Union zeigt: Nichts haben CDU und CSU (und hier ist auch die FDP zu benennen) getan für die rechtliche Besserstellung von Homosexuellen, und das, was sie getan haben, haben sie mit Widerwillen und auf Geheiß des Bundesverfassungsgerichts in Karlsruhe getan.

Und dass von der Union in der kommenden Legislaturperiode in Sachen Gleichstellung wohl nichts zu erwarten ist, machte die CDU-Bundesvorsitzende und Bundeskanzlerin Angela Merkel mehrmals deutlich, zuletzt im Fernsehen in der „Wahl-Arena“. Da ist sie nur einmal so richtig ins Schleudern gekommen und zwar auf eben jene Fragen aus dem Publikum, die auch wir ihr gestellt haben.

Wir haben uns in der Redaktion überlegt, ob wir für die Bundestagswahl eine Wahlempfehlung aussprechen sollen, so wie es in den Medien im angelsächsischen Raum üblich ist. Wir haben uns dagegen entschlossen, uns zu einer bestimmten Partei zu bekennen, weil das nicht die Aufgabe der Medien ist.

Damit geht allerdings einher, dass für uns eine Partei am morgigen Sonntag nicht wählbar ist: CDU/CSU. Denn wer mit uns nicht reden will, den müssen wir auch nicht wählen. So einfach ist das.

Bild: Awaya Legends/CC BY 2.0 (via flickr.com)

Written by Holger Doetsch

Holger Doetsch ist Bankkaufmann, Redakteur und Autor verschiedener Bücher, unter anderem "Elysander" und "Ein lebendiger Tag". Im Journalismus kennt er alle Seiten des Tischs, er publiziert in mehreren Zeitungen und Onlinemedien, war Pressesprecher (u. a. in der letzten DDR-Regierung) und unterrichtet seit 1995 Journalismus, PR sowie Rhetorik an verschiedenen Hochschulen.

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