Oberbürgermeister Boris Palmer stellt sein neues Dienstfahrzeug, einen Smart, vor. Tübingen, 22.04.2008
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Boris Palmer antwortet auf offenen Brief der Berliner Grünen

Der Tübinger Oberbürgermeister Boris Palmer hatte sich gestern Abend direkt und über Facebook mit einer Antwort auf den offenen Brief seiner Berliner Parteikollegen zu Wort gemeldet.

In einem eigenen offenen Brief bezog er sich hauptsächlich auf seine Äußerungen in einem Gastartikel in der FAZ („Entspannt euch„) aus dem vergangenen Jahr. Darin sieht Palmer in Sachen fehlender Gleichberechtigung eine andere Zeit gekommen. Boris Palmer will weg von dem Begriff „Kampf“ um Gleichberechtigung.

Homosexuelle werden heute nicht mehr mit dem Strafgesetzbuch bedroht, Frauen seien nicht mehr auf die Erlaubnis des Mannes angewiesen, um ein Konto einzurichten, Behinderte seien nicht mehr Objekte eines wohlmeinenden Fürsorgestaates in abgesperrten Einrichtungen, sondern eigenständige Persönlichkeiten mit Anspruch auf Teilhabe und Inklusion.

Seine offene Antwort hier im Wortlaut:

Liebe Freundinnen und Freunde von Queergrün in Berlin,
Ich will mich erstmal bei euch bedanken. Ihr wendet euch direkt an mich. Ihr macht euer Anliegen deutlich. Ihr wählt eine klare Sprache und ihr sagt, was euch nicht passt. Das finde ich gut. Ich möchte euch dieselbe Wertschätzung zukommen lassen und euch sagen, was ich an eurem Brief für falsch halte.

Das Wichtigste zuerst: Ihr setzt euch gar nicht mit dem auseinander, worum es mir geht. Ich habe in der FAZ mit „Entspannt euch“ meine These zum nachlesen ausformuliert. Sie lautet kurz und knapp:
Ja, aus der persönlichen Betroffenheit heraus ist es verständlich, wenn eine Gruppe von Menschen, die so viel auszuhalten hatte wie Schwule und Lesben, empfindlich reagiert. Weil die Gesellschaft sich positiv gewandelt hat, ist es aber an der Zeit, vom Kampfmodus weg zu kommen. Die große Mehrheit der Menschen ist heute dazu bereit, sich mit queeren Anliegen ruhig und verständnisvoll zu beschäftigen, auch wenn sie noch Fragen oder Zweifel haben. Ich glaube, für die von euch zu recht vertretenen Anliegen wäre damit mehr zu erreichen. Könnten wir darüber nicht auch in der Partei diskutieren?

Die rhetorische Frage, warum ich mich für Anliegen einer Gruppe einsetzen soll, die mich massiv beschimpft und verunglimpft, bezieht sich nicht auf mich. Ich tue das weiterhin, denn die allermeisten Schwulen und Lesben treten mir offen und dialogbereit entgegen. Sie für rüde Attacken einiger weniger in Haftung zu nehmen, fiele mir nicht ein. Aber für das Zusammenleben in der Gesellschaft gilt das nicht. Die Menschen, die im Gegensatz zu mir die volle Gleichstellung homosexueller Partnerschaften mit der Ehe ablehnen, werden sich durch den Vorwurf der Homophobie nicht überzeugen lassen. Wer Menschen vor den Kopf stößt, muss sich im Klaren sein, dass das auch beim gegenüber Schmerzen und Gegenwehr verursacht.

Was den Diskurs in unserer Partei angeht, finde ich, wir sollten in erster Linie von falschen Unterstellungen absehen. Ein Beispiel: Ich habe nirgendwo geschrieben oder auch nur angedeutet, dass homosexuelle Partnerschaften wegen ihrer geringen Kinderzahl weniger wichtig sind. Ich habe einzig und allein argumentiert, dass man den heterosexuellen Lebensgemeinschaften wegen ihrer relativ und absolut wesentlich höheren Kinderzahl Respekt für ihre Erziehungsleistung aussprechen kann, ohne dass daran irgendetwas homophob ist. Mir fällt leider auf, dass die von euch zitierte Homolobby die Technik der Verfremdung von Aussagen und schlichter Fälschung sehr oft zur Bekämpfung vermeintlicher Gegner einsetzt. Auf den einschlägigen Online-Portalen erscheint fast täglich ein Artikel, in dem mir mit dieser Methode Homophobie unterstellt wird. Ich bitte euch selbst zu prüfen, ob das eine Strategie ist, die Erfolg verspricht oder gerechtfertigt werden sollte.

Mit grünen Grüßen
Boris Palmer

Bild: Martin Schreier.

Written by Marco Steinert

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