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Die Krisen-PR des Berliner CSD e. V.: Absurdistan liegt in der Hauptstadt!

Wenn man sich das Krisenmanagement des Vorstands des Vereins „Berliner CSD e. V.“ (Foto) so anschaut, dann weiß man nicht, ob man lachen oder weinen soll. Die Aktivitäten sind nicht nur unterirdisch, sondern die Krise wird seit Wochen systematisch weiter hochgekocht. Eins ist klar: Hier hat ein Vorstand offenbar jegliche Bodenhaftung verloren, und beim CSD-Forum am 26. Februar dürfte es somit hoch hergehen.
Ach, welch hektische Betriebsamkeit: Vorstandsmitglieder löschen Facebook-Verbindungen zu Leuten, die der Arbeit des Vereins kritisch gegenüberstehen. Unterlassungsklagen werden verschickt. Kritiker werden ausgelacht oder anderweitig abschätzig behandelt. Und Presseanfragen werden nicht beantwortet. So hat queerpride.de bereits vor sechs (!) Tagen, am 14. Februar 2014 also, einen Fragenkatalog dahin geschickt, wo er professionellerweise hingehört: An den auf der Homepage des Berliner CSD e. V. aufgelisteten Pressesprecher Jens Meyer, dies mit der Bitte an ihn, die Fragen zügig an den Vorstand weiterzuleiten. Nachdem die Redaktion nach drei Tagen keinerlei Reaktion erhielt, schickte der Autor dieses Kommentars das Ganze dann direkt an zwei Vorstandsmitglieder, Sissy Kraus (auf dem Foto vorne) und Reinhard Thole (links), woraufhin sich Frau Kraus unverändert in Schweigen hüllte, weil sie wohl viel damit zu tun hatte, auf der Facebook-Seite des Vereins Kritikern unverschämte Kommentare an den Kopf zu knallen. Reinhard Thole bat dann die Redaktion um eine Fristverlängerung mit der Begründung, die Anfrage sei deshalb liegengeblieben, weil es Jens Meyer als CSD-Pressesprecher nicht mehr gäbe. Die queerpride.de-Redaktion hat die Frist dann in der Tat um einige Tage verlängert mit dem Ergebnis, dass die Fragen bis heute nicht beantwortet sind. Um was geht es?

Herrscht beim Berliner CSD e. V. Vetternwirtschaft?

Insgesamt 22 Fragen und Unterfragen hat queerpride.de dem Vorstand des Vereins „Berliner CSD e. V.“ gestellt, unter anderem zu dem merkwürdigen Konstrukt, wonach der hauptamtliche und damit bezahlte Geschäftsführer Robert Kastl gleichzeitig Geschäftsführer der „Publicom! GmbH“ ist, die den CSD vermarktet. Auch wollten wir wissen, ob Kastl insbesondere in der heißen Phase des CSD zuzüglich zu den Erträgen, die durch die Parade bei dieser GmbH erwirtschaftet werden, weiter vom Verein vergütet wird, und ob denn die Information stimmt, wonach in erster Linie Freunde und ehemalige Lebensgefährten von Kastl vor, während und nach dem CSD als Honorarkräfte beschäftigt wurden und werden. Auch hat queerpride.de interessiert, in welcher Höhe die Leistungen der „Publicom! GmbH“ vergütet worden sind und ob Aufträge öffentlich ausgeschrieben wurden. Und, last but not least, haben wir uns danach erkundigt, warum der Verein den „CSD“ eigentlich in „STONEWALL“ umbenennen will, inwieweit diesbezüglich die Zügel bereits festgezurrt wurden und ob der Vorstand des Berliner CSD e. V. nicht der Meinung ist, dass Entscheidungen in diesem Ausmasse nicht von wenigen Leuten eines Vorstandes, sondern von den Mitgliedern des CSD-Forums hätten diskutiert und gefällt werden müssen. Fragen über Fragen…

Kritiker sind für den Vorstand des Berliner CSD e. V. verleumderische „Individuen“

Auf alles das bekamen wir indes keine Antworten, aber keine Antwort ist bekanntlich auch eine Antwort. Immerhin schrieb Vorstandsmitglied Thole der Redaktion, man habe bisher keine Zeit gefunden zur Beantwortung der 22 queerpride.de-Fragen. Doch war offenbar genügend Zeit vorhanden für eine fast schon weinerliche Solidaritätserklärung des Vorstands für Geschäftsführer Kastl, die man getrost in die Tonne treten kann. Da wird etwa von verleumderischen „Individuen“ gesprochen, die gegen den Verein agieren würden, und spätestens hier fragt man sich, wie 26 erwachsene Frauen und Männer auf eine derart unerträgliche Wortwahl kommen können. In der Erklärung wird dann auch noch betont, Geschäftsführer Kastl sei „kompetent, professionell und integer“. Ist es kompetent und professionell, CSD-Partner durch großspuriges und arrogantes Auftreten zu verprellen? Nein! Ist es kompetent und professionell, einen Pressesprecher auf der Homepage zu verzeichnen, den es nicht mehr gibt? Nein! Ist es kompetent und professionell, Presseanfragen nicht zu beantworten? Nein! Der nicht mehr existierende Pressesprecher Jens Meyer wurde übrigens inzwischen von der Homepage des Vereins getilgt, nunmehr steht da als Presseverantwortlicher „Robert Kastl“. Da wird einem angst und bange…

Written by Holger Doetsch

Holger Doetsch ist Bankkaufmann, Redakteur und Autor verschiedener Bücher, unter anderem "Elysander" und "Ein lebendiger Tag". Im Journalismus kennt er alle Seiten des Tischs, er publiziert in mehreren Zeitungen und Onlinemedien, war Pressesprecher (u. a. in der letzten DDR-Regierung) und unterrichtet seit 1995 Journalismus, PR sowie Rhetorik an verschiedenen Hochschulen.

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