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Der Countdown läuft: CSD Berlin überzeugt mit seinem Programm

Der Countdown für den morgigen Berliner CSD läuft noch, doch schon jetzt ist klar: Das Programm, das der Verein „Berliner CSD e. V.“ präsentieren wird, ist mehr als überzeugend. Und vieles ist in diesem Jahr auch neu.

Schaut man etwa auf die Riege derer, die morgen demonstrieren wird, dann wird klar, dass der „Berliner CSD e. V.“ ernst gemacht hat mit seiner Ankündigung, politischer werden zu wollen. Das lässt sich schon am kämpferischen Motto in diesem Jahr erkennen: „Schluss mit Sonntagsreden! Demonstrieren! Wählen! Verändern!“ Und dass dies keine hohle Phrase ist, die lediglich mit vier Ausrufezeichen ausgeschmückt wurde, zeigt bereits der zweite CSD-Wagen. Er ist vom deutsch-russischen Verein „Quarteera e. V.“ angemeldet worden, und die, die darauf mitfahren, prangern die homophobe Politik in Russland an. Nicht nur das jüngst von der Staatsduma in Moskau beschlossene Gesetz „Gegen die Verbreitung von homosexueller Propaganda“, beziehungsweise das Verbot von Adoptionen russischer Kinder in Ländern, wo die Homoehe gesetzlich legitimiert ist, hat dafür gesorgt, dass immer mehr homosexuelle Menschen Opfer einer homophoben Grundstimmung in Russland geworden sind. Auch die Parteien haben Wagen angemeldet, zum Beispiel die Fraktion DIE LINKE im Bundestag, die FDP-Bundestagsfraktion, Bündnis90/Die Grünen, die Berliner SPD und die Piratenpartei der Hauptstadt. Die CDU ist in diesem Jahr wegen ihrer homofeindlichen Politik nicht zum CSD zugelassen worden (queerpride.de berichtete mehrmals), wird aber vertreten von der LSU, den Lesben und Schwulen in der Union. Auf angenehme Art und Weise auffällig ist beim CSD 2013 auch, dass sich mehrere Staaten offiziell angemeldet haben, zum Beispiel die USA, die Niederlande, Kanada und Argentinien. Der argentinische Wagen dürfte wohl klar machen, dass man mit homofeindlichen Aussagen des aktuellen Papstes Franziskus, der ja aus Argentinien stammt, nicht einverstanden ist. Auch der israelische Botschafter hält die Regenbogenfahne hoch, er wird dabei sein, wenn der CSD am Samstag um 12 Uhr eröffnet wird. Neben den angemeldeten Fahrzeugen lohnt sich übrigens auch ein Blick auf die Fußgruppenanmeldungen.

Ein programmatischer CSD, bei dem das Vergnügen nicht zu kurz kommt

In diesem Jahr sind zum Beispiel „AIDS ist nicht schwul“ dabei, was an sich schon Programm genug ist, sowie „Anonymous“, die HUK (Homosexuelle und Kirche) und die „Rainbow Association NGO Moskau“. Der Demonstrationsverlauf: Um 12.30 Uhr setzen sich die Wagen und Fußgruppen in Bewegung und ziehen vom Neuen Kranzler Eck (Kurfürstendamm Ecke Joachimsthaler Straße) über die Tauentzienstraße zum Wittenbergplatz, Nollendorfplatz und Lützowplatz. Von dort geht es auf Klingelhöferstraße und Hofjägerallee zum Großen Stern (Siegessäule) und dann auf der Straße des 17. Juni zum Brandenburger Tor, wo die Menschen das CSD-Finale erwartet. Mit dem Eintreffen des ersten Wagens wird um 16.30 Uhr gerechnet. Es folgt ein Programm, das erst um Mitternacht enden wird (Hinweis der Redaktion: Nach 0.00 Uhr wird dann „offiziell“ im „Weekend Club“ und im „Magdalena“ weitergefeiert. Eine der „inoffiziellen“ Partys gibt es im GMF). Ab 17.30 Uhr werden die Moderatoren Eybe Ahlers und Ole Lehmann eine Videobotschaft des EU-Parlaments präsentieren, die Vorstandsmitglieder Kraus und Thole werden die Gäste offiziell begrüßen. Die „Meystersinger“ werden ihren eindringlichen CSD-Song „Ja ich will!“ präsentieren, mit dem sie „die rechtliche Gleichstellung schwullesbischertransinter Menschen fordern.“* Es folgen Politikerinterviews, Showeinlagen und die Verleihung der „Community Awards“. Eine Premiere dies und somit besonders spannend. Ausgezeichnet werden die aussagekräftigsten und kreativsten Gruppen und Wagen der CSD-Parade von einer hochkarätig besetzten Jury. Unter anderem dabei: Romy Haag und Georg Uecker. Aber es können auch alle mitmachen. Alle angemeldeten Fußgruppen und Wagen werden mit Nummern gekennzeichnet. Sobald der CSD Berlin um 12.30 Uhr feierlich eröffnet ist, sind die Telefone freigeschaltet. Per SMS an 81190 können bis 18 Uhr Stimmen für alle Gruppen und Wagen abgegeben werden. Damit wird der sogenannte „Publikumspreis“ ermittelt.

* Den offiziellen CSD-Song „Ja ich will!“ kann jeder kostenfrei abrufen. Deutschsprachige Version: http://youtu.be/Eb1WHd0dTg bzw. englische Übersetzung auf http://youtu.be/vqo3TGg1nms

Bildquelle: © oulsn/flickr.com / cc-by-sa-2.0 (via Wikimedia Commons)

Written by Holger Doetsch

Holger Doetsch ist Bankkaufmann, Redakteur und Autor verschiedener Bücher, unter anderem "Elysander" und "Ein lebendiger Tag". Im Journalismus kennt er alle Seiten des Tischs, er publiziert in mehreren Zeitungen und Onlinemedien, war Pressesprecher (u. a. in der letzten DDR-Regierung) und unterrichtet seit 1995 Journalismus, PR sowie Rhetorik an verschiedenen Hochschulen.

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