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Nigeria: Wegen Beteiligung an „homossexuellem Kult“ – 21 Studenten festgenommen

Nigeria geht immer massiver gegen Homosexuelle vor. Nachdem erst vor wenigen Tagen ein 14 Jähriger und ein 19 Jähriger in Gewahrsam genommen wurden, weil sie zusammen in einem Bett lagen, sind jetzt 21 Studenten im Süden des Landes festgenommen worden. Laut Angaben lokaler Medien, weil sie einem „schwulen Kult“ angehören.

Homosexualität sei ein zunehmendes Problem für nigerianschische Hochschulen und Universitäten, äußerte die Polizei des Landes kürzlich in einer Tageszeitung. Zahlreiche „Kulte“ würden die Bevölkerung durch ihre Praktiken „terrorisieren“, hieß es. Entsprechend erfolgten die aktuellen Festnahmen an zwei Fachhochschulen in der Stadt Asaba mit Unterstützung der örtlichen Polizei. „Aus guter Quelle wissen wir, dass die männlichen Studenten wohl Anal-Sex gehabt haben. Wir haben die Verdächtigen verhört und sie haben nützliche Angaben gemacht. Es wird weiter ermittelt“, erklärte eine Sprecherin der Polizei gegenüber der Zeitung Punch. Als „Beweismittel“ führten die Polizisten der Zeitung unter anderem Kondome vor, welche man bei den beschuldigten Studenten in den Zimmern gefunden habe.

Der Vorfall wird von dem Blatt entsprechend homophob ausgeschlachtet. So erklärt die Zeitung ihren Lesern unter anderem, dass die Studenten sich mittels der gleichgeschlechtlichen sexuellen Handlungen wohl einen finanziellen Vorteil hätten verschaffen wollten. In der Bevölkerung genießen drakonische Maßnahmen gegen Homosexuelle eine breite Zustimmung. Erst 2013 konnte eine Umfrage zeigen, dass 92 Prozent eine härtere Bestrafung für gleichgeschlechtlichen Sex befürworten.

Nigeria: 14 Jahre Gefängnis für gleichgeschlechtlichen Sex

Im vergangen Jahr hatte die nigerianische Regierung die Gesetze gegen Homosexualität verschärft. Gleichgeschlechtlicher einvernehmlicher Sex kann seitdem mit bis zu 14 Jahren Haftstrafe geahndet werden. In islamistisch beherrschten Teilen des Landes müssen Homosexuelle sogar mit der Todesstrafe rechnen.

Die strengen Gesetze gegen Homosexualität in Nigeria und anderen Ländern Afrikas gehen ursprünglich auf die Kolonialzeit zurück. Völkerkundler betonen häufig, dass die afrikanische Gesellschaft historisch gesehen wenige bis keine Ressentiments gegenüber Schwulen und Lesben hegte. Zum Teil kamen gleichgeschlechtliche Praktiken in manchen Stammeskulten ritualisiert vor, beispielsweise im Übergang von der Jugend in das Erwachsenenalter.

 

Written by Franziska Werner

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