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10 Dinge, die Schwule nicht hören möchten

Nicht nur Lesben werden nach dem Moment der Offenbarung mit einer ganzen Reihe schräger Fragen konfrontiert, auch Schwule betrifft dies immer noch und immer wieder. Die Top-10 der Standard-Post-Coming-Out Fragen, die Schwule nicht mehr hören können.

1. „Hast du dir das gut überlegt?“

Also jetzt, wo du mich das fragst, muss ich vielleicht eingestehen, dass es lediglich eine Schnapsidee war. Eigentlich kam mir ja der Gedanke nur so aus heiterem Himmel, da ich es ausgesprochen cool und aufregend fand, jetzt einfach mal gleichgeschlechtliche Bedürfnisse zu haben. Damit, dass dieses innere sexuelle Bedürfnis Teil meiner Identität ist, Teil meines innerstes Wesens, nicht nur Ausdruck meiner rein körperlichen Sexualität, sondern auch verbunden mit der Sehnsucht nach Intimität, Vertrautheit, Geborgenheit und Nähe, hat das alles rein gar nichts zu tun.

2. „Und was ist mit Kindern?“

Die bevorzugte Großmutterfrage. Tja, was soll ich dazu sagen, „das wird dann wohl nix“? So wird es wohl sein. Entweder schwul oder Vater, genau das sind meine Alternativen. Wir leben ja in einer Welt, in der Adoptionen, Leihmutterschaften, künstliche Befruchtungen und Co. nicht existieren. Halt, nein, das war anders, sie sind hierzulande nur rechtlich für uns nicht erlaubt. Jetzt hätte ich doch fast vergessen, wofür wir die letzten Jahre demonstrieren gegangen sind.

3. „Warum?“, die Erste (ohne Zusatz)

Ähm, ja, was willst du genau wissen? Die Ursache für Homosexualität? Tja, da beißen sich seit Jahrzehnten Biologen, Psychologen, Anthropologen, Sozialwissenschaftler und Co. die Zähne aus. Vielleicht ist da ein bisschen Genetik, vielleicht ein bisschen Hormonhaushalt im Mutterleib, vielleicht ein bisschen Erziehung und Familienzusammensetzung. Man hat bislang noch nicht DIE Ursache gefunden. Aber warum willst du das wissen? Es macht doch eh keinen Unterschied. Oder willst du Früherkennungsverfahren zur möglichen Unterbindung von Homosexualität entwickeln? – Ja? – Lieber Mensch erster Klasse, fick dich!

4. „Warum?“, die Zweite, mit implizierter Ursachenvermutung „… hast du negative Erfahrungen mit Frauen gemacht“ oder auch „… hattest du Probleme mit deinem Vater in der Kindheit?“

Schön, dass du die Ursachen meiner Homosexualität kennst und damit all den Wissenschaftlern (siehe Punkt davor) viele Forschungsergebnisse voraus bist. Aber mal ganz im Ernst, warum bist du eigentlich hetero „geworden“? Hast du negative Erfahrungen mit dem gleichen Geschlecht gemacht oder hattest du ein zu inniges Verhältnis zu deinem Vater?“

5. „Warum?“, die Dritte, gepaart mit vermeintlich begründetem Unverständnis „…Frauen haben doch den viel schöneren / ästhetischeren Körper“

oder einer anderen Aussage, die Frauen als das OBJEKTIV begehrenswertere Geschlecht darstellen. Erstaunlich ist, dass diese Reaktion sehr häufig von heterosexuellen Frauen geäußert wird. – WTF?

6. Der Klassiker, falls man(n) in einer Beziehung ist: „Wer ist der Mann, wer ist die Frau?“

Das kommt ganz drauf an, wie du in deinem offensichtlichen Denken in schwarz und weiß, hü und hott, ja und nein „Mann“ und „Frau“ definierst und mit welchen Vorurteilen du Männer und Frauen belädst. Willst du wissen, wer mehr verdient und die „Familie“ versorgt? Oder wer „das Sagen“ und „die Hosen an“ hat? Oder interessierst du dich eher für die Rollenverteilung im Liebesspiel? – Zunächst einmal möchte ich darauf hinweisen, dass – und das wird dir in deinem stereotypgetränkten Weltbild vielleicht etwas befremdlich vorkommen – die Antwort auf diese Fragen nicht immer dieselbe ist. Man(n) kann durchaus der charakterlich dominantere Partner sein und sexuell „die Dose“. Und wenn deine Frage nur halbwegs Sinn ergäbe, dann müsste ich dir sagen, dass ich dann hinsichtlich jeder Interpretation dieser Frage wohl schon eine ganze Menge Geschlechtsumwandlungen in meinem Leben vollzogen hätte, manchmal mehrere an einem Tag.

7. Die unstillbare Neugier heterosexueller Männer, die sich dann auch meist sehr direkt äußert: „Wie ist es in den A**** gef***t zu werden?“

Gut, dass du vorher gefragt hast, ob ich das schon mal gemacht habe oder ob „wir“ das überhaupt alle machen. Aber danke der Nachfrage, kann schon ganz schön geil sein, aber überzeug dich doch selbst! Hier? Jetzt? Toilette?

8. „Malst du auch oder hast ein anderes künstlerisches Hobby?“

Klar, wie könnte man auch schwul sein und künstlerisch desinteressiert und sogar unbegabt. Ja, vor allem mit dem Pinsel können wir eigentlich alle ganz gut umgehen. ;-)

9. „Hast du da nicht Probleme im Job?“

Nein eigentlich nicht. … obwohl ich zugeben muss, dass ich meinen ursprünglichen Karrierewunsch als Deckhengst aufgrund meiner Homosexualität leider nicht realisieren konnte.

10. „Habt ihr wirklich so viel Sex?“

Klar, es geht schlicht und einfach auch nicht anders, sonst würden wir platzen. Die Sexualhormonproduktion ist bei Schwulen von Natur aus 20-mal höher als bei heterosexuellen Männern. Da fällt mir auf, ich müsste jetzt auch ganz dringend mal wieder ran. Wie schaut’s bei dir aus? Hier? Jetzt? Toilette?

Written by Marvin Tuchner

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