in

Provokation: Ein Homophobie-Kongress in Leipzig

Jetzt steht es fest: Am 23. November 2013 findet von 9 bis 19 Uhr in Leipzig ein Homophobie-Kongress statt, und offiziell lautet das Motto: „Werden Europas Völker abgeschafft? Familienfeindlichkeit, Geburtenabsturz, sexuelle Umerziehung“. Ein Thema, das genau so krude und absurd ist wie der Veranstalter und die von ihm eingeladenen Referenten.

Geht man auf die Homepage des Veranstalters, springt dem Betrachter ein Foto entgegen, das in der Manier eines Top-Gun-Filmplakats die drei Hauptredner zeigt: Ex-Tagesschau-Sprecherin Eva Herman, deren umstrittenen Äußerungen zur Familienpolitik der Nazis zum Rausschmiss beim NDR führten, der Publizist Peter Scholl-Latour (Foto) sowie Ex-Bundesbanker und Ex-Finanzsenator von Berlin, Thilo Sarrazin. Sie blicken entschlossen in die Kamera, ihr Gesichtsausdruck lässt keinerlei Zweifel daran, dass sie es nicht zulassen werden, dass nach den Ausländern nun die Homosexuellen Deutschland abschaffen werden. Unterstützt werden sollen sie – ist es zu fassen? – von russischen Abgeordneten, die das Gesetz gegen die Homo-Propaganda auf den Weg brachten. Ihr Thema: „Erfolge von Wladimir Putins Familienpolitik“. Auf der Rednerliste findet sich des Weiteren ein bekannter Homo-Hasser, der scheidende Bundestagsabgeordnete Norbert Geis (CSU). Auf Nachfrage von queerpride.de allerdings lässt ein Mitarbeiter ausrichten, Geis werde an dem Kongress, zu dem 700 Gäste erwartet werden, nicht teilnehmen. Nicht, weil er nicht will, sondern weil er schlicht und ergreifend nicht gewusst habe, wem er da eine Zusage gegeben hatte. Und außerdem habe er keine Zeit. Blickt man auf die Seite des Veranstalters des Kongresses, www.compact-magazin.com, dann gewinnt man den Eindruck, auf einer wirren Verschwörerseite gelandet zu sein. Die rechtsextremistische NSU wird verniedlicht und fällt unter „inszenierten Terrorismus“. Und beim Betrachten von Filmen aus den NSU-Gerichtsprozessen habe man „Genuss“ verspürt. Herausgeber Jürgen Elsässer berichtet weiterhin stolz, ein Medium hätte einen Vortrag, den er über die NSU gehalten hat, als den „witzigsten“ empfunden. Überhaupt ist man verwundert, dass Elsässer beim Springen von links nach rechts nicht schwindelig geworden ist. So war er unter anderem Redakteur bei dem sozialistischen Blättchen „Neues Deutschland“, das der Partei Die Linke gehört, sowie bei dem ehemaligen Zentralorgan der DDR-FDJ Junge Welt. Dass Elsässer nach dieser „Karriere“ nun zum Herausgeber eines rechtspopulistischen Mediums geworden ist, gehört zu den vielen Fragezeichen und Merkwürdigkeiten, die der Kongress in Leipzig sowie die Redner, die dort auftreten werden, aufwerfen.

Foto: Hic et nunc /CC-BY-SA 3.0 (via Wikimedia Commons)

Written by Holger Doetsch

Holger Doetsch ist Bankkaufmann, Redakteur und Autor verschiedener Bücher, unter anderem "Elysander" und "Ein lebendiger Tag". Im Journalismus kennt er alle Seiten des Tischs, er publiziert in mehreren Zeitungen und Onlinemedien, war Pressesprecher (u. a. in der letzten DDR-Regierung) und unterrichtet seit 1995 Journalismus, PR sowie Rhetorik an verschiedenen Hochschulen.

Jürgen Trittin: Wir sorgen für einen gesellschaftlichen Wandel

Bischöfe

Bischöfe warnen vor Homo-Ehe und empfehlen indirekt CDU/CSU