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Am 17. Mai wird gegen homophobe Gewalt und Vorurteile geküsst

Wie in jedem Jahr wird am kommenden Freitag (auch) in Berlin der „Tag gegen Homophobie und Transphobie“ mit einem „KISS-IN“ begangen. Der tiefere Grund hierfür: Am 17. Mai 1990 hat die Weltgesundheitsorganisation WHO Homosexualität von der „Liste psychischer Krankheiten“ gestrichen.

Bastian Finke (53), Leiter des Antigewaltprojekts „Maneo“, unter dessen Dach unter anderem das Überfalltelefon für Opfer von homophober Gewalt installiert ist, sagte dazu in einem Interview mit der Berliner „tageszeitung. die taz“ (Samstagsausgabe): „Auf politischer Ebene wurde sehr viel erreicht. Aber echte Gleichberechtigung gibt es erst, wenn sie auch im Alltag gelebt wird.“ Damit aber, so Finke, hätten viele Menschen noch immer arge Schwierigkeiten.

25 Prozent der Deutschen finden küssende Homos „eklig“

Finke verweist in diesem Zusammenhang auf die letzte „Heitmeyer-Studie“ mit dem Titel „Deutsche Zustände“, wonach über ein Viertel der Deutschen es als „eklig“ empfinden, wenn sich homosexuelle Menschen küssen würden. Auch deshalb lädt „Maneo“ bereits seit 2007 unter dem Motto „protect every kiss“ zu einem „Berliner Kussmarathon“ ein. Dabei suchen die Teilnehmer_innen öffentliche Orte mit Symbolwert auf, Orte, die für Homosexuelle und Transgender „kein leichtes Pflaster“ sind, um sich dort demonstrativ zu küssen. Schlagzeilen hatte vor einigen Jahren ein „KISS-IN“ im Berliner Nolli-Schwulenkiez gemacht. Eigentlich ist dies ein „leichtes Pflaster“, doch fiel dort immer wieder ein Italiener mit homofeindlichen Sprüchen auf, der dort einen Eisladen betrieb (und noch immer betreibt).

Geküsst wird da, wo es für Homosexuelle und Transgender gefährlich ist

Ein küssendes Lesbenpaar forderte er in einem Schwall homofeindlicher Äußerungen dazu auf, den Platz vor seinem Geschäft zu räumen. Spontan trafen sich hiernach Dutzende Lesben und Schwule vor dem Eisladen und knutschten sich ab. Doch das Küssen gegen Vorurteile – klappt das wirklich? Finke meint im taz-Gespräch „Ja!“ und ruft Homo- als auch Heterosexuelle dazu auf, sich am Theodor-Heuss-Platz und auf dem Alexanderplatz zu küssen, und zwar „so lange, wie sie nur können.“ An beiden Orten, so Finke weiter, hätte es in der letzten Zeit schwere Übergriffe auf Homosexuelle und Transgender gegeben. Daran wolle man am 17. Mai erinnern. Ins Rennen geschickt werde auch der „Maneo-Kussbär“, eine Figur aus Pappe, die von den Berliner_innen geküsst werden soll. Dazu werde „Regenbogenkuchen“ gereicht, und wenn mindestens eintausend Berliner_innen den Maneo-Bär geküsst haben, dann zieht er weiter nach Paris: „1.000 Kisses, from Berlin with Love!“

Bild: © See-Ming Lee/wikimedia Commons

Written by Holger Doetsch

Holger Doetsch ist Bankkaufmann, Redakteur und Autor verschiedener Bücher, unter anderem "Elysander" und "Ein lebendiger Tag". Im Journalismus kennt er alle Seiten des Tischs, er publiziert in mehreren Zeitungen und Onlinemedien, war Pressesprecher (u. a. in der letzten DDR-Regierung) und unterrichtet seit 1995 Journalismus, PR sowie Rhetorik an verschiedenen Hochschulen.

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