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Homo-Hass in Russland: Propaganda, schwule Nazis und ein glücklicher Putin

Seit Russland im Juni das „Gesetz zum Verbot von homosexueller Propaganda“ verabschiedet hat, eskaliert die Situation in Russland zunehmend. Fast täglich werden Lesben und Schwule auf der Straße beleidigt, angespuckt und verprügelt. „Kein Problem!“, vermeldet ein russischer Auslandssender, die Darstellung der Taten werde „verzerrt“. Und jetzt melden sich auch noch schwule Neonazis zu Wort.

„Eine aktuelle Umfrage zeigt, dass nur wenige Russen denken, Homosexualität sei normal“. Solche Propaganda ist beim TV-Auslandssender „RT“ fast täglich zu sehen, in englischer Sprache ist er auch in Deutschland zu empfangen. Darüber hinaus gebe es im Westen lediglich „eine verzerrte Darstellung“ über homosexuelles Leben in Russland, erzählt eine RT-Moderatorin, die dabei verschweigt, dass ein „homosexuelles Leben in Russland“ kaum mehr möglich ist.

Der RT-Reporter Martyn Andrews wiederum jagte über den Sender einen Kommentar, indem er erneut die Meinung vertrat, CSDs in Russland wären nicht deshalb verboten, weil man homophob sei, sondern weil es erhebliche Sicherheitsbedenken gebe. Andrews ist schon vor drei Jahren in der Homoszene mit einer ähnlichen Argumentation negativ aufgefallen. Damals moderierte er eine Show und sah keine Notwendigkeit darin, in der Sendung auf die Zerschlagung des CSD in Moskau am gleichen Tag hinzuweisen.
Und als ob das alles nicht schon schlimm genug wäre, melden sich nun auch russische schwule Nazis zu Wort und wiederholen in TV-Interviews Aussagen, die sie zuvor schon im „Vice“-Magazin gemacht hatten.

Sie machen klar, dass sie für „die Reinheit des Blutes“ kämpfen, für die weiße Rasse und „für schöne und starke Menschen“. Ihr Kampf gelte der Idee einer „sauberen Nation“, so Vertreter der Homo-Nazis. An ihren Ansichten und Überzeugungen erkennt man ihre Homosexualität also nicht. Sehr wohl aber an ihrem Emblem, das unter dem Hakenkreuz zwei sich überkreuzende erigierte Schwänze zeigt. Und Präsident Wladimir Putin (Foto)? Der hörte sich vor wenigen Tagen während eines regierungsnahen Jugendcamps lächelnd die schwulenfeindlichen Sprüche eines kosakischen Aktivisten an. An Putin gerichtet sagte er: „(…) Sie kämpfen gegen Sodomiten und geben ihnen nicht unsere Kinder zur Adoption.

Wir unterstützen sie in Ihrem Tun!“ Daraufhin sagte der noch immer lächelnde Putin sichtlich ergriffen: „Vielen Dank. Gerne.“ Diesen unsäglichen Auftritt kann man übrigens auf der offiziellen Homepage des Kreml sehen.

Bild: © Presidential Press and Information Office/CC-BY-3.0 (via Wikimedia)

Written by Holger Doetsch

Holger Doetsch ist Bankkaufmann, Redakteur und Autor verschiedener Bücher, unter anderem "Elysander" und "Ein lebendiger Tag". Im Journalismus kennt er alle Seiten des Tischs, er publiziert in mehreren Zeitungen und Onlinemedien, war Pressesprecher (u. a. in der letzten DDR-Regierung) und unterrichtet seit 1995 Journalismus, PR sowie Rhetorik an verschiedenen Hochschulen.

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