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Co-Parenting – Familie auf freundschaftlicher Basis

Gianni ist schwul. Christine ist lesbisch. Zusammen haben sie Milla, ihre gemeinsame Tochter. Sie sind beide Single und hatten trotzdem einen Kinderwunsch. „Schon immer eigentlich“, sagen sie. Partnerschaft und Elternschaft gehören für sie nicht unmittelbar zusammen.

Kennen gelernt haben sie sich im Internet (familyship.org), da hatte Christine noch eine feste Partnerin.

Zunächst wollten sie zu dritt ihren Kinderwunsch realisieren. Jedoch kam es ein wenig anders. Die lesbische Beziehung ging zu Ende und nun musste eine neue Entscheidung getroffen werden.

„Ich war mir sicher, dass ich das im Extremfall auch ganz alleine schaffen würde“, sagt Christine und „bin sehr froh, Gianni getroffen zu haben, der ebenfalls aktiv an der Erziehung beteiligt sein wollte“.

So teilen sich Gianni und Christine nun auch im Alltag alle Rechte und alle Pflichten. Inzwischen ist ihre Tochter Milla bereits vier Jahre alt und besucht tagsüber eine Kita.

„Seit gut einem Jahr wohnen wir in zwei nebeneinander liegenden Wohnungen, die wir mit einem Durchbruch verbunden haben“, sagt Christine.

Insgesamt haben sie sich die freie Zeit mit ihrer Tochter etwa gleichmäßig aufgeteilt. „Das hängt natürlich von unserem Alltag ab, von Terminen und Arbeit und ist jeden Tag ein bisschen anders, wie in anderen Familien auch“, sagt Christine.

Meistens bringt Gianni die gemeinsame Tochter in die Kita, meistens holt Christine sie wieder ab. Die Abende teilen sie sich in etwa paritätisch.

Das funktioniere alles recht gut, weil die beiden sich Zeit genommen haben um sich besser kennen zu lernen vor dem ersten Versuch, sagen sie. „Etwa ein Jahr lag zwischen dem ersten Treffen und dem ersten Versuch“, sagt Gianni.

Sie haben sich zum Essen getroffen, haben Konzerte besucht, Freunde kennengelernt und sind ein Wochenende gemeinsam in den Urlaub gefahren.

„In Brandenburg, im November“, sagt Gianni mit einem Zwinkern „aber zum Kennenlernen war das gut!“. An den Wochenenden werden auch schonmal gemeinsame Ausflüge gemacht, beispielsweise in den Park oder zum Flohmarkt oder mit Freunden ins Kindertheater.

Auch ein gemeinsamer Urlaub stand bereits auf dem Programm. „Aber komplett konfliktfrei ist das natürlich auch nicht“, sagt Christine, „auch wir haben mal einen Streit oder verschiedene Ansichten von Erziehung.

Wichtig für uns ist, dass jeder sein eigenes Leben behält. Es gibt gemeinsame Zeiten, aber eben auch viel Freiraum nebenher.

Jeder verbringt auch ohne den anderen Elternteil Zeit mit unserer Tochter.“ Ein Vorteil scheint die Entkopplung von Partnerschaft und Elternschaft.

Weniger emotional belastet sei die gemeinsame Ebene, sagen sie. Stabiler. So läuft es nun schon einige Jahre, Affären und Partnerschaften kommen und gehen. Nebenher.

Milla bekommt von alldem nichts mit. Mama und Papa bleiben zusammen. Als Elternpaar. Einer rechts in der Wohnung, einer links. Und sie mittendrin.

Familyship ist eine Website, auf der es möglich ist, mit Menschen in Kontakt zu kommen, die auf freundschaftlicher Basis eine Familie gründen möchten. Etwa 4000 deutschsprachige Mitglieder zählt die Plattform momentan – mit steigender Tendenz: www.familyship.org.

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