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Corona – und was uns vom New Yorker Leben blieb

Ich habe immer mit New York Freunde, Fun und Freiheiten verbunden, seitdem ich im Sommer 1998 als Landwirtssohn aus einem kleinen Dorf in Niedersachsen in der legendären Disco Roxy zum ersten Mal von einem attraktiven New Yorker geküsst wurde. Seit jener Nacht sollte ich in den darauffolgenden Jahren nichts unversucht lassen, um selbst Teil dieser Stadt zu werden und ein Leben zu finden, das bis zum Beginn der Corona Krise gerade durch Freiheit definiert war. Und genau diese Freiheit sollte uns allen lange vor dem Tag genommen werden, an dem zum ersten Mal mehr als 100,000 Coronavirus Fälle in New York diagnostiziert wurden. 

In unserem Wohnzimmer hängt ein Bilderrahmen mit ein paar Fotos, das an die Highlights vom letzten Jahr erinnert. Da war die erste grosse Ballet Performance meiner Tochter vor knapp 1,000 Zuschauern im April 2019, das Familien Porträt im letzten Mai, unsere Reisen nach Kolumbien, Spanien und Frankreich und der Besuch des Schlosses Versailles,  Schnappschüsse von New York City und Fire Island im Sommer und die Fotos von Debbie Allen`s Gala im Dezember mit Shemar Moore und Jesse Williams von Greys Anatomy. 

Ich kann nicht sagen, dass man auf mich in New York unbedingt gewartet hätte, als ich hier als Student vor über 11 Jahren ankam. Aber es kommt selten vor, dass es ein Bauernsohn bis auf die Wall Street schafft. Und auch wenn sich mein eigenes Leben nach der Geburt meiner Tochter geändert hatte, habe ich dieses Leben immer geliebt. Und dann plötzlich und unerwartet, sollte alles zum Stillstand kommen, nachdem ich den Corona Virus in den ersten Wochen des Jahres noch nicht einmal sehr ernst genommen hatte. Für mich war das alles sehr weit weg gewesen, als er zum ersten Mal von einer Kollegin in einem Meeting erwähnt wurde. 

Ich arbeitete zu der Zeit an meinem neuen Buch und plante meine Geburtstagsparty im April. Ein wenig merkwürdig kam mir das dann schon vor, als keiner auf meine Einladungen antwortete und mein Manager mir nahe legte, in ein paar Tagen nicht mehr in das Office auf der Wall Street zu kommen. Ich selbst glaubte noch daran, das der Corona Virus wie eine Grippe wäre, bis ein ungutes Gefühl aufkam, weil es keinen Impfstoff gab und der Virus immer mehr Todesopfer forderte. 

Zu dem Zeitpunkt hofften meine Freunde in Italien bereits seit 5 Wochen einfach nur noch, dass es bald vorbei sein würde, während meine Tochter noch die Schule besuchte und ich jeden Morgen um 5:30 Uhr zum Sport ging. Noch vor über 3 Wochen schien das Leben in New York in Ordnung zu sein, Ich erinnere mich daran, dass an dem Wochenende die Bars und Restaurants voll mit Brunch begeisterten New Yorkern waren. 

Wahrscheinlich war das auch der Grund, warum am nächsten Tag alles vorbei war und der Gouverneur Andrew Cuoma anordnete, alle Fitness Studios, Kinos, Retail Geschäfte usw zu schliessen. Schon bald traf es dann auch das Starbucks an der Ecke, in dem ich einen Grossteil meiner vier Bücher geschrieben hatte. Auf einmal war das New Yorker Leben in der Art und Weise, wie wir es kannten, vorbei. Stück für Stück wurde es immer mehr reduziert bis die Anzahl, der Corona Falle in New York bis auf 122.056 am gestrigen Tag anstiegen war. 

Wie hat sich unser Leben seitdem verändert? Ich würde mich grundsätzlich als einen sehr optimistischen Menschen bezeichnen, der sich nicht so einfach von einer Massenpanik anstecken lässt und auch wenn ich nur “Wahl New Yorker” bin, bin ich ziemlich abgehärtet. Aber ich bin auch ein Mensch, der immer daran glaubt, dass das Gute im Leben am Ende gewinnen wird und meine Tochter mit dem Bewusstsein aufwachsen lässt, dass es immer wichtig ist, das Richtige im Leben zu tun und nicht darauf ankommt, mit der Ellenbogen Technik auf Kosten anderer weit zu kommen. 

Von daher trifft es mich vermutlich umso heftiger, dass bis zum heutigen Tage mehr als 4.100 New Yorker am Coronavirus gestorben sind und es noch kein absehbares Ende gibt. Es wurden mittlerweile nicht nur der AIDS Walk abgesagt, für den ich mich seit Jahren engagiere, sondern auch unser Leben in unserer 2 Zimmer Wohnung in Chelsea, Manhattan hat sich sehr verändert. Ich fand es in den ersten Wochen schon sehr schwierig,  mit Anwälten von der Bank zu telefonieren, während meine 5 Jahre alte Tochter an meinen Shorts zog und um jeden Preis mit mir spielen wollte, nachdem der Video Chat mit ihrer Lehrerin vorbei war. 

Ich denke schon, dass es in den letzten 3 Wochen Zuhause drunter und drüber und nicht immer optimal zuging. Es wurde auf beiden Seiten manchmal laut, aber dann folgten auch immer liebevolle Umarmungen und gute Gespräche. Mittlerweile organisiere ich meine Tage auch etwas anders. Ich stehe bereits um 4 Uhr morgens für das Home Office auf, damit ich meiner Tochter tagsüber mit der  Online School besser helfen kann. Es gibt auch klare Regeln, die uns beiden etwas mehr Freiräume geben.

Das ging nicht von heute auf morgen. Aber ich erlebe auch, dass meine Tochter mitten in der Nacht aufsteht und zu meinem Bett rennt, da Daddy immer noch der Beste ist und in dieser schwierigen Zeit die Familie und Freunde einfach näher zusammenrücken und für einander da sind. 

Was kann ich Euch in einer Zeit sagen, in der nichts wichtiger zu sein scheint, als den Coronavirus um jeden Preis zu vermeiden und sich stattdessen in die Isolation zu flüchten? 

Die letzten Wochen kommen den meisten von uns als eine schreckliche und unvorhersehbare Zeit vor und es ist normal, dass die Corona Krise überwältigend zu sein scheint. Aber wir sind nicht alleine und sind alle miteinander verbunden – Du, ich und die ganze Welt. Wir können gemeinsam lachen und weinen. Wir können besondere Momente erleben, mit unsere Freunden und Familie Spiele spielen und wir dürfen nie vergessen, dass wir alle im selben Boot sitzen. 

Bleibt stark!

Written by Derek Meyer

Derek Meyer wird im Rahmen einer Artikel Serie über das Leben in New York schreiben. Er hatte bereits in seinem Debüt Roman „Coming Out in New York“ die Auf und Abs des Lebens in der New Yorker Gay Szene beschrieben und meldete sich knapp 2 Jahre später mit seinem zweiten Buch „Baby, Fame & Inspiration“ zurück. Beide Bücher sind auf www.tredition.de und Amazon erhältlich.

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