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Mit dem RAINBOW-Ansatz zu einem „guten Leben“

„Mein Ziel ist es, die Welt zu einem besseren Ort zu machen“ – dies ist die Kernaussage von Maximilian Riegel, dem Kölner Sozialarbeiter und Sozialpädagogen, der im Juni 2023 sein Buch „Der RAINBOW-Ansatz – Ein psychologisches Modell zur Selbstreflexion“ veröffentlicht hat. Wie genau er die Welt zu einem besseren Ort machen möchte und was ihn zu seinen Überlegungen geführt hat, können Sie in diesem Artikel lesen.

Biografie als Wachstumschance

Aufgewachsen in einem kleinen, konservativen Dorf in Bayern war Maximilian Riegel bereits früh mit Situationen und Gegebenheiten konfrontiert, die er häufig nicht nachvollziehen konnte. Aufgrund seiner eigenen queeren Biografie habe es demnach vielfältige Diskriminierungs- und Ausgrenzungserfahrungen gegeben. „Ich war schon immer irgendwie anders und das hat einfach oft nicht mit der Mentalität und Haltung der Menschen vor Ort zusammengepasst.“ Er wolle niemandem einen Vorwurf machen, findet jedoch klare Worte für das, was ihm widerfahren ist: „Es geht mir nicht darum, Menschen zu beschuldigen oder für etwas verantwortlich zu machen. Vielmehr geht es mir darum, aufzuzeigen, dass wir gesamtgesellschaftlich gesehen in sexistischen, rassistischen, queerfeindlichen, allgemein diskriminierenden Strukturen leben.“

Mit 19 Jahren entschied sich der heute 31-Jährige somit für einen Umzug nach Köln, wo er sein Bachelor-Studium der Sozialen Arbeit, sowie ein Master-Studium im Bereich der Angewandten Sozialwissenschaften erfolgreich absolvierte. Neben seiner beruflichen Tätigkeit in verschiedenen psychosozialen und sozialpädagogischen Arbeitsfeldern, bildete er sich nebenberuflich stets weiter. „Bildung war für mich immer unglaublich wichtig, weil sie mir geholfen hat, die Welt besser zu verstehen. Außerdem bin ich unglaublich wissbegierig und Lernen macht mir große Freude“, so der Autor, der aktuell nebenberuflich ein Master-Studium der Psychologie absolviert. Heute unterrichte er neben seinem Job als Soziarbeiter an verschiedenen Hochschulen und Bildungseinrichtungen mit den Schwerpunkten Kommunikationspsychologie und psychosoziale Beratung: „Mein Wissen an andere Menschen weiterzugeben ist eine unglaublich erfüllende und inspirierende Sache für mich.“

Die Suche nach dem „guten Leben“

Diese Frage habe Riegel aufgrund seiner eigenen Biografie bereits sehr früh beschäftigt. Jedoch habe er sich auch im Kontext der Sozialen Arbeit immer wieder die Frage gestellt, was ein „gutes Leben“ sei. „Ich fand es immer schade, dass wir uns in der Sozialen Arbeit immer ausschließlich mit den Problemen von Menschen befasst haben: Obdachlosigkeit, Sucht und Abhängigkeit, Kindeswohlgefährdung, Gewalterfahrungen – all das sind Dinge, die natürlich zur Sozialen Arbeit gehören, aber ich habe mir immer gedacht, dass da doch noch mehr sein muss.“

Diese Gedanken hätten ihn demnach dazu inspiriert, in seiner Master-Arbeit der Frage nachzugehen, welchen Auftrag die Soziale Arbeit im Hinblick auf die Selbstverwirklichung ihrer Klient*innen habe. Er habe nicht nur auf die Problemlagen schauen wollen, sondern auch darauf, was Menschen ins persönliche Wachstum bringe. In diesem Kontext stieß er auf das Konzept der Positiven Psychologie, welche sich schwerpunktmäßig mit jenen Aspekten auseinandersetzt, die für ein erfülltes Leben sorgen. So seien Achtsamkeit, Dankbarkeit, Beziehungen, Resilienz und das Ergründen des eigenen Sinns im Leben, wichtige Voraussetzungen für persönliches Wohlbefinden und Wachstum. Seligman, einer der wichtigsten Persönlichkeiten der Positiven Psychologie, habe diesen Ansatz anhand des Rosenzüchtens erklärt: es gehe nicht nur darum, die Blumen von Schädlingen und Unkraut zu befreien, sondern darum, den Rosen das zu geben, was sie für ihr Wachstum und Aufblühen brauchen. „Diese Vorstellung hat mich dazu inspiriert, Menschen beim Aufblühen unterstützen und begleiten zu wollen.“

Die Metapher des Regenbogens

Warum genau der Autor den Regenbogen als Sinnbild für die Grundhaltung seines Ansatzes verwendet hat, beschreibt er ausführlich in seinem Buch. Einer von drei Aspekten sei die farbliche Vielfalt des Regenbogens, die auch die menschliche Vielfalt widerspiegle: „Wir Menschen sind alle so unglaublich unterschiedlich und bringen aufgrund unserer individuellen Biografien enorm vielfältige Aspekte des Seins mit. Mir geht es darum, genau diese Vielfalt zu feiern!“. Menschen nicht in Schubladen zu stecken, sondern stattdessen in ihrer Diversität wahrzunehmen und wertzuschätzen, sei hierbei ein wichtiges Anliegen für ihn. 

Doch der Regenbogen, so Maximilian Riegel, habe auch noch eine weitere Bedeutung: „RAINBOW ist ein Akronym. Das bedeutet, dass jeder Buchstabe für einen gewissen Aspekt dieses Ansatzes steht“. Es gehe dem 31-Jährigen darum, Menschen zur Selbstreflexion zu ermutigen und er wolle mit seinem RAINBOW ein Modell anbieten, mit dem diese Reflexion erleichtert werden kann: „Ich bin der festen Überzeugung, dass die Welt ein besserer Ort wäre, wenn wir uns selbst besser kennen würden. Dann müssten wir nicht immer anderen Menschen die Schuld geben, sondern könnten unsere eigenen Anteile an Problemen und Schwierigkeiten schneller erkennen und somit anders damit umgehen“, so der Sozialarbeiter. Die persönliche Selbstreflexion sei demnach ein Aspekt, der zu mehr Empathie für andere Menschen und somit für ein friedlicheres Zusammenleben und mehr individuellem Wohlbefinden führe. 

Die einzelnen Aspekte von RAINBOW

 „Ein Regenbogen hat sieben Farben und somit umfasst auch der RAINBOW-Ansatz sieben Aspekte: Ressourcen, Autonomie, Integration, Neuentdeckung, Bedürfnisse, Organisation und Werte“. Wenn wir uns an diesen sieben Punkten orientieren würden, seien wir in der Lage, eine entsprechende Reflexion unseres eigenen Seins zu ermöglichen. Doch nicht nur für die persönliche Selbstreflexion sei der Ansatz zielführend: auch in der Interaktion mit anderen Menschen und der Betrachtung des Status Quo der Gesellschaft könne der Ansatz sinnvoll und wachstumsfördernd eingesetzt werden: „Der RAINBOW-Ansatz stellt kein Geheimrezept dar, mit dem wir den Weltfrieden erreichen können. Dennoch bin ich überzeugt davon, dass er einen kleinen Beitrag dazu leisten kann.“

Der RAINBOW-Ansatz geht – kurz zusammengefasst – demnach davon aus, dass wir unseren Fokus auf unsere persönlichen Ressourcen (also Stärken, Fähigkeiten, Potenziale, etc.) legen, sowie auf den Ausbau unserer Autonomie. Dadurch dass wir uns als ganzheitliche, integrative Wesen betrachten und immer wieder neue Facetten unserer eigenen Persönlichkeit entdecken, sei persönliches Wachstum möglich. Auch die Reflexion unserer Bedürfnisse, unserer Rollen im Alltag und unserer Werte seien wichtige Aspekte des Ansatzes. „Am Ende des Buches habe ich ein Kapitel mit über 30 Fragen angefügt, anhand derer sich die Leser*innen direkt selbst zu den einzelnen Punkten reflektieren können.“ 

RAINBOW – Ein Politikum?

Auf die Frage, ob der RAINBOW-Ansatz auch eine politische Dimension habe, findet der Sozialarbeiter klare Worte: „Natürlich ist der RAINBOW-Ansatz auch politisch! Ich wünsche mir, dass wir die Gesellschaft gemeinsam verändern und uns für mehr Humanismus, Gerechtigkeit und Wohlbefinden einsetzen – wie könnte das nicht politisch sein?“. Aus diesem Grund habe er in seinem Buch auch verschiedene Paradigmenwechsel beschrieben, mit denen sich die Welt seiner Ansicht nach zum Positiven verändern würde. Beispielsweise fordert er hierbei mehr Achtsamkeit im täglichen Miteinander, anstatt einer neoliberal-kapitalistisch geprägten Effizienz, die auf einem starken Leistungszwang beruhe und hauptsächlich auf Gewinnmaximierung abziele. 

„Mein Ziel ist es, dass wir den RAINBOW-Ansatz leben. Und das nicht nur im Kontext von persönlicher Selbstreflexion, wenn wir beispielsweise gerade überlegen, unseren Job zu wechseln oder mit dem Beenden einer Partnerschaft liebäugeln.“ Vielmehr wünsche sich der Autor, dass eine humanistische und an der Positiven Psychologie orientierte Grundhaltung in den Alltag vordringe und die Basis menschlichen Zusammenlebens präge. Er hoffe außerdem, dass auch irgendwann die Soziale Arbeit an einen Punkt komme, an dem sie sich mehr auf diese Aspekte konzentriert: „Ich wünsche mir, dass wir irgendwann sowas wie eine ‚Positive Soziale Arbeit‘ haben, denn sie könnte meiner Ansicht nach eine gute Grundlage dafür sein, die Welt zu einem besseren Ort zu machen, wovon wir alle profitieren würden“. Bis dies jedoch der Fall sei, sei es wichtig, dass wir uns alle tagtäglich darum bemühen, die Welt ein Stück weit besser zu machen: „Ich glaube fest an die Macht des Einzelnen. Veränderung beginnt immer mit einem ersten kleinen Schritt!“

(Anmerkung der Redaktion: der Autor freut sich immer über Rückmeldungen und Ihre Gedanken unter riegel-integrativ@web.de oder auf Instagram: mr_maxriegel)

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