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Wie i-dle mit „Mono“ ein Zeichen für die queere Community im K-Pop setzt

„Whether straight or gay“ – mit dieser Zeile aus ihrem neuen Song „Mono“ setzt die K-Pop
Girlgroup i-dle ein deutliches Zeichen. Innerhalb der südkoreanischen Musikindustrie ist eine
derart direkte Verwendung des Wortes „gay“ bislang eine Ausnahme.


Für internationale Musikmärkte mag die Zeile unspektakulär wirken. Im Kontext der
südkoreanischen Unterhaltungsindustrie, die noch immer für strikte Imagekontrolle und
Zurückhaltung bei kontroversen Themen bekannt ist, bekommt sie jedoch eine stärkere
Wirkung. In Südkorea existieren bislang weder die Ehe für gleichgeschlechtliche Paare noch
umfassende Antidiskriminierungsgesetze für LGBTQ+-Personen. Vor diesem Hintergrund
gewinnt die explizite Sprache in „Mono“ an Bedeutung.


Der Song ist eine Zusammenarbeit mit dem britischen nicht-binären Rapper Skaiwater. Laut
eigenen Aussagen der Gruppe ging die Initiative für das Feature von i-dle selbst aus. Vor dem
beschriebenen gesellschaftlichen Hintergrund ist diese Kollaboration im K-Pop nicht
selbstverständlich, da offen nicht-binäre Künstler in der südkoreanischen Musikindustrie
bislang nur selten vertreten sind.


Im Refrain singt die Gruppe: „Whether East or West, Whether straight or gay, Every day and night,
Dance to your real vibe.” Es ist eine Ermutigung für Menschen aller Art, einfach sie selbst zu sein
und zugleich eine Feier von Vielfalt. Sexuelle Orientierung wird hier normalisiert, indem
„straight“ und „gay“ ohne Wertung nebeneinandergestellt werden. Noch deutlicher wird die
Botschaft im dialogischen Interlude nach der Bridge:
“So, how do you identify?”
“I identify as she/her.”
“I identify as he/him. I don’t personally know any theys but I mean, I think it’s important to just be
yourself.”
“For sure, when you love yourself, you can love everyone.”
Pronomen und Identitätsfragen, die teilweise auch in westlichen Ländern noch Diskussionen
auslösen, werden hier nicht nur angedeutet, sondern offen ausgesprochen. Selbstliebe und
Akzeptanz stehen hierbei im Fokus.


Auch das Musikvideo spiegelt die Idee des Songs wider. Es beginnt in Schwarz-Weiß, in einem
monochromen Look, passend zum Titel. Erst am Ende der Bridge, bei der Zeile „You know you’re
born to love“, wechselt das Bild in Farbe. Der Übergang von Schwarz-Weiß zu Farbe unterstreicht
die Botschaft von Selbstakzeptanz und Offenheit. Auffällig ist zudem die sichtbar vielfältige
Besetzung der Tänzer im Video. In einer häufig als homogen beschriebenen Gesellschaft wie
Südkorea ist diese visuelle Vielfalt nicht selbstverständlich. Die Choreografie enthält zudem
Elemente des Voguing, einer Tanzform mit Wurzeln in der queeren Kultur.
In der Punchline „Play the whole world in mono“ greift die Gruppe auf einen Begriff aus der
Musikproduktion zurück: Mono bezeichnet eine Wiedergabeform, bei der alle Klänge über einen
einzigen Kanal laufen, anders als bei Stereo, wo sie räumlich getrennt werden. Im Song lässt
sich das als Metapher verstehen. Die Welt soll „über einen Kanal“ abgespielt werden, also als
gemeinsame Einheit, statt voneinander abgegrenzt. Musikalisch setzt der Song auf einen
reduzierten Sound, der die Botschaft bewusst in den Vordergrund rückt.

Hervorzuheben ist außerdem, dass i-dle „Mono“ in landesweit ausgestrahlten Musiksendungen
performte. Diese Shows sind zentrale Plattformen im K-Pop und erreichen ein breites Publikum.
Die Lyrics wurden weder abgeschwächt noch umformuliert. Die divers besetzte Tanzcrew aus
dem Musikvideo hat die Gruppe auch hier begleitet.
Der Song erscheint in einem Moment bewusster Neudefinition. Im Mai 2025 entfernte die
Gruppe zu ihrem siebten Jahrestag das „(G)“ aus ihrem bisherigen Namen (G)I-DLE und nennt
sich seitdem i-dle. Das „G“ stand für „Girl“, aber die Gruppe möchte sich von
geschlechterspezifischen Erwartungen und Labels lösen. Das Plattenlabel Cube Entertainment
erklärte zudem, dass die Namensänderung verdeutlichen solle, dass künftige musikalische
Konzepte „grenzenlos“ gedacht sind. In diesem Kontext erscheint „Mono“ als musikalische
Entsprechung dieses Rebrandings.


Dass i-dle gesellschaftskritische Themen nicht meidet, ist jedoch nicht neu. Seit Jahren gilt die
Gruppe als eine der sichtbarsten feministischen Stimmen im K-Pop: Kritik an der Sexualisierung
weiblicher Körper in „Nxde“, Geschlechterrollen in „Tomboy“, Selbstbewusstsein unabhängig
von Schönheitsidealen in „Queencard“, Satire über die traditionelle Rolle der Ehefrau in „Wife“
und Female Empowerment in „Super Lady“. Die Liste ließe sich fortsetzen.


Bereits 2020 wurde ihr Song „Oh My God“ von Fans als queer gelesen. Im Song heißt es unter
anderem “Oh my God, she took me to the sky”. Auf die Frage, warum weibliche Pronomen
verwendet wurden, erklärte Leaderin und Produzentin Soyeon, sie wolle „she“ nicht auf eine
bestimmte Definition beschränken. Es solle offen für alles sein. Zudem betonte sie, dass alle
Formen von Liebe wertvoll seien und respektiert werden sollten. Neben Soyeon haben sich in
der Vergangenheit auch die anderen Mitglieder unterstützend zu queeren Themen geäußert.
Darüber hinaus sprach Soyeon in Interviews wiederholt über geschlechtsspezifische
Doppelstandards in der Branche. Sie berichtete, dass es in ihrer Trainee-Zeit als ungewöhnlich
galt, wenn eine Frau Musik produzieren wollte. Davon ließ sie sich jedoch nicht beirren, und das
zeigt sich heute auch in ihrer Rolle innerhalb der Gruppe.


Schon seit dem Debüt 2018 ist Soyeon für Texte, Komposition und Produktion der Musik
verantwortlich. Seit 2022 ist sie zudem offiziell Executive Producerin der Gruppe, eine Position,
die im Idol-System insgesamt selten ist und für weibliche Idols noch seltener. Das bedeutet, sie
übernimmt nicht nur das Songwriting, sondern koordiniert auch den gesamten
Entstehungsprozess, von der Auswahl der Songs über die konzeptionelle Ausrichtung bis hin zur
Abstimmung mit Marketing und Musikvideoregisseuren. Auch die anderen Mitglieder sind kreativ
involviert. Besonders Minnie und Yuqi schreiben und produzieren ebenfalls regelmäßig Songs.
Damit gehört i-dle zu den wenigen Girlgroups, die ihre Musik maßgeblich selbst gestalten.
Vor diesem Hintergrund erscheint „Mono“ nicht als isoliertes Statement, sondern als
konsequente Fortsetzung einer Haltung, die i-dle seit Jahren in ihrer Musik vertritt. Der Song
macht deutlich, dass queere Sichtbarkeit im K-Pop nicht nur möglich ist, sondern zunehmend
ihren Platz im Mainstream findet.

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