Die Confluence University of Science and Technology in Osara, Bundesstaat Kogi, hat zwei Studenten wegen einer unterstellten gleichgeschlechtlichen Beziehung dauerhaft von der Hochschule ausgeschlossen. Die Universität teilte dies über ihre Presseabteilung mit; die Ausschlussschreiben unterzeichnete der stellvertretende Registrar für akademische Angelegenheiten, Eli Gbadafu – nach Angaben von Premium Times und Punch am Freitag, laut Daily Post am Samstag. Beschlossen wurde die Maßnahme bei der 31. regulären Sitzung des Senats im Hörsaal der juristischen Fakultät, auf Empfehlung des studentischen Disziplinarausschusses. Als Grundlage nennt die Hochschule das Studierendenhandbuch in seiner zweiten, 2025 geänderten Fassung.
Betroffen sind zwei männliche Studierende der Fachrichtungen Biologiedidaktik und Bergbauingenieurwesen. Ihre vollständigen Namen und Matrikelnummern hat die Hochschule selbst veröffentlicht und nigerianische Medien haben sie übernommen; diese Redaktion verzichtet darauf, weil die Männer dadurch für Erpressung, Übergriffe und Strafverfolgung angreifbar werden.
Was den beiden konkret vorgeworfen wird, bleibt offen. Zeitpunkt und Ort der angeblichen Handlungen nannte die Universität nicht. Auch zur Beweisführung des Disziplinarausschusses, zu einer Anhörung oder zu möglichen Rechtsmitteln liegen keine Angaben vor. Ob die Betroffenen sich geäußert haben, ist unbekannt. Im selben Beschluss suspendierte die Hochschule vier weitere Studierende für ein akademisches Jahr wegen einer Schlägerei auf dem Campus – eine Zahl, die nicht alle Medien übereinstimmend berichten.
Der zweite Fall an derselben Hochschule seit April
Der Vorgang ist kein Einzelfall. Bereits Ende April 2026 beschloss der Senat der CUSTECH bei seiner 30. regulären Sitzung den Ausschluss zweier Studentinnen aus dem zweiten Studienjahr wegen unterstellter lesbischer Beziehungen – gemeinsam mit Sanktionen gegen Studierende wegen einer Messerattacke und wegen der Manipulation von Fotos zweier Kommilitoninnen. Der Vizekanzler Abdulrahman Asipita Salawu lobte damals die Arbeit des Disziplinarausschusses.
Binnen drei Monaten hat dieselbe Universität damit vier Studierende wegen unterstellter gleichgeschlechtlicher Beziehungen exmatrikuliert, Frauen wie Männer. Beide Male lief das Verfahren nach demselben Muster ab: Disziplinarausschuss, Senatsbeschluss, Veröffentlichung der Namen. Beide Male stellte die Hochschule die Fälle in eine Reihe mit Gewaltdelikten auf dem Campus.
14 Jahre Haft – aber kaum Prozesse
Nigeria kriminalisiert gleichgeschlechtliche Beziehungen auf mehreren Ebenen. Der Same Sex Marriage (Prohibition) Act 2013 trat im Januar 2014 unter Präsident Goodluck Jonathan in Kraft und sieht bis zu 14 Jahre Haft für einvernehmliche gleichgeschlechtliche Handlungen vor. Daneben stellt der Criminal Code Act „widernatürlichen“ Geschlechtsverkehr und „grobe Unanständigkeit“ unter Strafe; in zwölf nördlichen Bundesstaaten gilt zusätzlich islamisches Strafrecht, das theoretisch die Todesstrafe durch Steinigung vorsieht.
Zu Verurteilungen führt das selten. Human Rights Watch fand in seiner Untersuchung von 2016 keinen Beleg dafür, dass jemand nach dem SSMPA verurteilt worden wäre – hielt die Wirkung des Gesetzes aber für weitreichend und schwerwiegend. Die Organisation dokumentierte einen Anstieg von Erpressung und Gewalt sowie Einschränkungen für Organisationen, die queere Menschen versorgen. Ein Verfahren gegen 47 Männer, die 2018 in einem Lagoser Hotel festgenommen worden waren, endete ohne Urteil: Ein Bundesrichter stellte es 2020 wegen mangelhafter Prozessführung der Polizei ein.
Die Sanktion trifft die Betroffenen also dort, wo das Strafrecht oft gar nicht ansetzt: in der Institution. Ob die Hochschule zusätzlich Anzeige erstattet hat, teilte sie nicht mit; auch von der Polizei in Kogi liegt dazu nichts vor.
Exmatrikuliert, geoutet, ohne Fürsprache
Für die beiden jungen Männer bedeutet der Beschluss mehr als einen Studienabbruch. Mit der namentlichen Veröffentlichung sind sie faktisch landesweit geoutet – in einem Umfeld, in dem das Gesetz laut Human Rights Watch ein Klima der Straflosigkeit für Übergriffe geschaffen hat. Ein Wechsel an eine andere nigerianische Hochschule dürfte mit einem entsprechenden Exmatrikulationsvermerk schwierig werden.
Öffentliche Fürsprache gibt es bislang nicht. Eine Stellungnahme nigerianischer Organisationen wie The Initiative for Equal Rights oder internationaler Gruppen wie Amnesty International und Human Rights Watch zu diesem Fall war bis Redaktionsschluss nicht auffindbar. Auch internationale Nachrichtenagenturen haben den Vorgang nicht aufgegriffen; berichtet haben bislang ausschließlich nigerianische Medien.