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Mit 46 nicht mehr auf „irgendwann“ warten: Blonde Passenger zwischenCockpit und Rockmusik

Mit 46 Jahren noch einmal einen alten Traum verwirklichen? Für Andreas
Thiele war das irgendwann keine Frage des Alters mehr, sondern eine
Frage des richtigen Zeitpunkts. Der Münchner arbeitet als
Airbus-Kapitän bei Lufthansa, ist mit seinem Mann verheiratet und
Vater eines erwachsenen Sohnes. Seit diesem Jahr verfolgt er einen
weiteren Lebenstraum: Unter dem Namen Blonde Passenger veröffentlicht
er die Rockmusik, die er viele Jahre lang nur für sich selbst
geschrieben hat.

Am 18. September erschien seine neue Single „Roses Fade Away“.
Musikalisch bewegt sich Blonde Passenger zwischen Alternative Rock und
Post-Grunge, geprägt von der Rockmusik der 1990er- und frühen
2000er-Jahre.

Die Geschichte hinter dem Song beginnt allerdings während der Corona-Pandemie.

Damals lebte Thiele in Köln und arbeitete als Pilot bei Germanwings.
Als die Pandemie den Flugverkehr nahezu zum Stillstand brachte und
Germanwings den Flugbetrieb einstellte, wurde plötzlich auch eine
berufliche Zukunft unsicher, die bis dahin selbstverständlich
erschienen war. Pilot zu werden, war für Thiele seit jungen Jahren
einer seiner größten Träume gewesen.

In dieser Zeit entstand „Roses Fade Away“.

Wer den Song hört, könnte zunächst an eine Beziehung denken: an die
Angst, einen geliebten Menschen und etwas Vertrautes zu verlieren.
Tatsächlich entstand der Text aus einem anderen Verlustgefühl. Thiele
verarbeitete darin die Unsicherheit darüber, ob das Leben, das er sich
aufgebaut hatte, weiterhin Bestand haben würde.

Gleichzeitig brachte ihn diese Zeit dazu, sich mit den Träumen zu
beschäftigen, die er selbst immer wieder auf später verschoben hatte.
Songs hatte er schon lange geschrieben. Die Vorstellung, daraus
tatsächlich ein eigenes Rockprojekt zu machen, blieb jedoch jahrelang
ein Plan für „irgendwann“. Auch der Wunsch, einen Teil seines Lebens
auf Mallorca zu verbringen, wurde während dieser Zeit konkreter.

Heute sitzt Thiele wieder im Cockpit und fliegt als Kapitän für
Lufthansa. Den Traum von Mallorca hat er sich ebenfalls erfüllt. Und
aus den Songs, die lange ein privates Projekt geblieben waren, ist
Blonde Passenger geworden.

Dabei geht es nicht darum, das bisherige Leben gegen ein neues
einzutauschen. Thiele ist schwul, glücklich verheiratet, hat Familie
und einen Beruf, den er liebt. Blonde Passenger steht vielmehr für die
Idee, dass ein Leben bereits erfüllt sein kann und trotzdem noch Platz
für etwas Neues bleibt.

Gerade in queeren Lebensgeschichten stehen häufig Coming-out,
Identität, erste Beziehungen oder die Suche nach Akzeptanz im
Mittelpunkt. Was danach kommt, wird seltener erzählt. Doch auch mit
Mitte 40 können neue Kapitel beginnen.

Musikalisch und visuell hat Blonde Passenger dafür eine eigene Welt
geschaffen. Alternative Rock und Post-Grunge treffen auf eine Ästhetik
aus Schwarz-Weiß-Bildern, Rosen, Romantik und Vergänglichkeit. Das
Projekt erinnert bewusst an eine Zeit, in der Rockmusik und
Musikvideos der 1990er- und frühen 2000er-Jahre für viele eine
prägende Rolle spielten.

Im offiziellen Musikvideo zu „Roses Fade Away“ wechseln Aufnahmen von
Thiele mit seiner Gitarre mit der Geschichte zweier Bräute. Eine
Kirche, Schleier, Kerzen und Rosen schaffen Bilder zwischen Liebe und
Abschied. Dass dabei zwei Frauen im Mittelpunkt stehen, wird weder
erklärt noch besonders hervorgehoben. Ihre Liebesgeschichte ist
einfach Teil der Erzählung.

„Roses Fade Away“ soll dabei nicht allein bleiben. Weitere
Veröffentlichungen sind bereits geplant. Langfristig sollen die Songs
in einem Album unter dem Titel „Dark Romance“ zusammenfinden.

Blonde Passenger ist damit nicht der Versuch, mit 46 noch einmal ein
völlig anderes Leben zu beginnen. Das Musikprojekt ergänzt vielmehr
eines, in dem bereits vieles seinen Platz gefunden hat.

Während der Pandemie hatte Andreas Thiele zeitweise Angst, einen Traum
zu verlieren, den er bereits verwirklicht hatte. Rückblickend wurde
genau diese Erfahrung zum Anstoß, andere nicht länger aufzuschieben.

Heute fliegt er wieder als Kapitän, lebt in München und zeitweise auf
Mallorca, hat Familie – und veröffentlicht die Rockmusik, von der er
lange dachte, dass er sie irgendwann einmal veröffentlichen würde.

Aus „irgendwann“ ist jetzt geworden.

Blonde Passenger – „Roses Fade Away“

Website:
https://blondepassenger.com

Spotify:
https://open.spotify.com/album/2JYOpyoOkRMBP6SlthUbpy

Official Music Video:
https://youtu.be/1YcYwn1w9Ks

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