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Liebe in Zeiten von Grindr – Das Experiment des Dries Verhoeven

Heute um 11 Uhr zog der holländische Künstler Dries Verhoeven in einen 14×2,50m großen Glascontainer am Berliner Heinrichplatz. Dies wird für die nächsten zwei Wochen sein Zuhause sein und dort möchte er allen Interessierten vor Ort und über eine Webcam sein Experiment „Wann Play?“ demonstrieren. Das ganze Projekt findet in Kooperation mit dem HAU (Hebel am Ufer) statt.

Verhoeven wird den Container während dieser Zeit nicht verlassen und mit der Außenwelt nur über die Gay-Datingplattform Grindr kommunizieren. Mit Grindr, weitläufig auch als Sex-Dating-App bekannt, möchte er Männer aus der Umgebung finden, mit ihnen chatten, Zeitung lesen und Kuchen backen. Die Chats und Mails welche er in dieser Zeit empfängt und versendet werden gleichzeitig auf eine 13 Meter große Wand hinter dem Glashaus projiziert, damit auch jeder alles live verfolgen kann. Dabei sieht man auch die Profilbilder der Männer, allerdings leicht verfremdet und in Negativ-Farben. Nicht weniger als fünf Smartphones nimmt dazu Verhoeven mit ins Haus.

Auf dem Blog wannaplayberlin.de dokumentiert er den Verlauf des Experiments und dort gibt es auch weitere Informationen sowie die Live-Can zu finden.

Den Kern seiner Installation sieht der Künstler in ebendieser Kommunikation: Mit dem Smartphone meldet er such bei Gindr an und die Anwendung zeigt ihm dank des Umgebungssenders, hunderte anderer Nutzer in unmittelbarer Nähe, die auch ein Gindr-Profil haben.

Grindr ist mit mehr als sieben Millionen Usern in 192 Ländern der Welt die Nummer eins unter den Dating-Apps für Schwule. Die aktuelle Version der App wirbt damit, „sexier und schneller denn je“ zu sein. Das soziale Netzwerk dient vor allem dazu, schnell und unverbindlich Sexpartner zu finden. Darauf hat es Verhoeven aber gar nicht abgesehen. Er möchte gar keinen Sex mit den Männern haben die zu ihm kommen. Ihm geht es um das genaue Gegenteil, das Befriedigen nicht-sexueller Bedürfnisse während dieser zwei Wochen. Dabei setzt er sich immer neue eigene Aufgaben, welche er immer an die Wand projiziert. Aufgaben wie: „Suche jemanden zum Frühstück“ oder „sprich mit jemanden über die Beziehung zu seiner Mutter“.

Verhoeven will mit „Wanna Play?“ darauf aufmerksam machen, wie das Internet zwischenmenschliche Beziehungen verändert hat. Er nutzt seine eigene Homosexualität, Grindr und die Schwulenszene in Berlin, um demonstrativ auf diese Veränderungen und die daraus entstehenden Probleme hinzuweisen.

Written by Marvin Tuchner

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