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LGBTQIA+ Games – welche Videospiele mit queeren Themen gibt es?

Es wird hier in Deutschland wie weltweit gezockt ohne Ende, sodass sich die Gamingbranche seit vielen Jahren über immense Umsätze freuen darf. Das gilt in gleichem Maße für Spieleentwickler, Konsolenhersteller und Videoplattformen im Netz. 

Der anhaltende Boom geht natürlich vor allem auf all die technischen Neuerungen und Entwicklungen zurück, die den digitalen Spielspaß überhaupt erst in dieser faszinierenden Form möglich machen und die dargestellten Welten immer realistischer erscheinen lassen. 

Doch nicht nur auf technischem Gebiet, sondern auch hinsichtlich der Zielgruppe sind besonders in den letzten Jahren große Veränderungen vonstattengegangen. Es gibt Spiele für ziemlich jeden Wunsch der Spieler, seien es Multiplayerspiele, Spielotheken mit einer hohen Auszahlungsquote oder Browsergames für zwischendurch. Nun fehlt also nur noch, dabei auch die wachsende LGBTQIA+ Community entsprechend widerzuspiegeln. Wie sich die Sache verhält und welche Videospiele das Thema bereits erfolgreich aufgreifen, erklären wir hier. 

Kritik an mangelnder Diversität im Gaming

Vergleicht man die aktuelle Gamingwelt mit jener von vor einigen Jahren, wird sofort eines deutlich: Inzwischen weist die Fangemeinde der regelmäßigen Zocker einen stark angestiegenen Frauenanteil auf und hat sich zudem auch altersmäßig deutlich ausgeweitet. Es wäre nun folglich ein weiterer schlüssiger Schritt, Gaming auch in Sachen sexueller Orientierung und Identifikation noch viel diverser zu gestalten, als das bisher der Fall ist.

Auch wenn es aktuell immerhin einige beliebte Games für Konsole, Smartphone und PC auf dem Markt gibt, die das Thema aufgreifen, bleiben diese zahlenmäßig weit hinter anderen Schwerpunkten zurück. Gerade einmal 2 Prozent befassen sich laut einer US-amerikanischen Studie mit LGBTQIA+ Inhalten. So finden sich im eShop für Nintendo Switch lediglich 50 Titel, die entsprechend gelabelt sind, während für die PlayStation rund 90 Games zur Verfügung stehen. Damit sind diese also zweifelsfrei völlig unterrepräsentiert. 

Und dies, obwohl sich im Gegenzug rund jeder sechste Gamer nach eigenen Angaben der LGBTQIA+ Community zugehörig fühlt und dieser Prozentsatz in Zukunft noch weiter anwachsen dürfte. Angekreidet wird weiterhin, dass queere Themen zuhauf von anderen Medien aufgegriffen werden und in Filmen sowie der Musik allgegenwärtig sind, während die Gaming-Industrie hier auffällig hinterherhinkt. 

Warum Videospiele ein wichtiges Zeichen setzen

Diese Kritik ist insofern mehr als berechtigt, da sich das Ungleichgewicht auf den ersten Blick erkennen lässt, es jedoch keinen erkennbaren Grund gibt, LGBTQIA+ Charaktere so selten in Spiele einzubinden. Vor allem große Entwicklerstudios scheinen sich nach wie vor nicht richtig an die Materie heranzutrauen, und das, obwohl bekannte Titel bereits erfolgreiche Exempel gesetzt haben. So ein Beispiel ist die Videospielserie „The Last of Us“, in welcher die Hauptfigur Ellie in einer gleichgeschlechtlichen Beziehung lebt. 

Mit Videospielen wird zum einen das Belohnungszentrum im Gehirn aktiviert. Zum anderen ermöglichen sie es uns, in fiktive Welten einzutauchen und dabei immersiv die persönlichen Geschichten der jeweiligen Charaktere mitzuerleben und sich davon emotional ansprechen zu lassen. Dabei findet eine direkte Identifikation mit den Figuren und deren Lebenswelten statt, die dank der multimedialen Möglichkeiten noch viel intensiver erfahren wird. Spieler möchten sich demnach in den Charakteren ihrer liebsten Games wiederfinden, mit ihren Helden mitfühlen und sich in die jeweiligen Umstände hineinversetzen können. Somit wäre wichtig, im Storytelling noch viel mehr von dem aufzugreifen, was die LGBTQIA+ Szene ausmacht und bewegt. 

Letztlich erzielt das selbstverständlich auch eine positive Auswirkung, denn je allgegenwärtiger die Themen damit werden, umso leichter lassen sie sich gesellschaftlich integrieren und umso umfassender kann Ausgrenzung und Intoleranz vorgebeugt werden. Und auch für die Gamer selbst verbessert sich der Bezug zum Spiel und damit die empfundene Freude daran, wenn sie sich in den Charakteren wiedererkennen. Das geht aus Erhebungen hervor, laut denen schwule, lesbische oder nichtbinäre Spieler viel eher zu einem Game greifen würden, das Inhalte passend zur eigenen Orientierung aufweist. 

Welche Titel mit LGBTQIA+ Label sind besonders empfehlenswert?

Von den bis dato veröffentlichten Games mit entsprechendem Bezug stechen einige besonders hervor, die unter anderem spielbare Transgender-Charakter anbieten wie bei „Tell Me Why“ beziehungswiese ermöglichen, sich mit nicht-binären und bisexuellen Figuren durchs Game zu bewegen wie bei „Overwatch 2“. Häufig wird den Spielern außerdem freigestellt, die Identität ihrer Hauptfiguren wie in „Cyberpunk 2077“ nach Wunsch zu bestimmen. 

Andere Games agieren währenddessen von vorne herein mit queeren Hauptcharakteren. Diese stellen jedoch nicht den alleinigen Dreh- und Angelpunkt dar – es braucht selbstverständlich auch die nötige Spannung oder Action, ein herausforderndes Gameplay oder einen einzigartigen Spielinhalt, um die Nutzer zu fesseln. 

Die folgenden fünf Titel können in gleich mehreren Kategorien punkten:

„The Last of Us”

Dieser bereits erwähnte Publikumsliebling, der auch als Filmreihe erschienen ist, verkauft sich auch mit seinem inzwischen erschienenen Part II ausgezeichnet, in welchem Spieler die Trans-Figur Lev als weiteren wichtigen Charakter kennenlernen. Das Game vereint viele bewährte Elemente, die den Erfolg erklären: Es handelt sich um ein gruseliges Horror-Spiel, das durchaus brutale Zombie-Szenen beinhaltet und die Spieler sowohl hinsichtlich der grafischen Darstellung als auch des Storytellings an ihre Grenzen bringt. Das Action-Adventure-Genre wird mit dem Survival-Modus vereint, sodass es hier an Adrenalin definitiv nicht fehlt. 

“Baldur´s Gate 3”

In 2023 zum Spiel des Jahres gekürt, entführt es einen in längst vergessene Reiche zurück, während sich das Storytelling um ganz menschliche Themen wie Loyalität und Verrat dreht. Spannend ist, dass man sowohl das Geschlecht des eigenen Charakters als auch dessen sexuelle Ausrichtung wählen und entsprechend vielfältige Beziehungen mit anderen eingehen kann. Selbst die Pronomen sind frei wählbar, warum „Baldur´s Gate 3“ in der sehr aktiven diversen Community besonders gefeiert wird. 

„Night in the Woods“

Dieses Indie-Game rund um die pansexuelle College-Studentin Mae ist eine Erkundungsreise mit Tiefgang, die durch Mae´s schwulen Freund und eine ganze LGBTQIA+ Kleinstadt ergänzt wird, während man die Geheimnisse des Waldes zu lüften versucht. 

„Stray Gods: The Roleplaying Musical”

Das ganz klar als queer gelabelte Rollenspiel greift die griechische Mythologie auf und stellt den Charakteren frei, Beziehungen zu sämtlichen Geschlechtern einzugehen. Alles ist eingebunden in das Musical-Genre, sodass es zwar sehr melodisch wird, echte Action-Fans jedoch die gewohnte Schnelligkeit vermissen werden. 

„Unpacking“

Eigentlich ist es als Matching-Game aufgemacht, in welchem Gegenstände aus Umzugskartons richtig auf die verfügbaren Möbelstücke verteilt werden müssen. Doch hinter den persönlichen Erinnerungen stecken jede Menge Geschichten der queeren Hauptfigur, in die man eingebunden wird.

Bild: Foto von Youcef Chenzer auf Unsplash.

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