© Angelika Kohlmeier
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FDP: Wer auf dicke Hose macht, muss auch liefern!

Die FDP kann in diesen Tagen vor lauter Kraft kaum gehen.

Sexismusdebatte um Brüderle? Vergessen, denn seit dem Wochenende ist der Mann Spitzenkandidat für die Bundestagswahl. Seine Eignung? Geschenkt! Putschgelüste bei Rösler? Verpufft, denn seit dem Wochenende ist der Mann wieder FDP-Chef. Seine Führungskompetenzen? Naja… Am Wochenende fand in Berlin der Parteitag der Liberalen statt. Die FDP krebst in den Umfragen zwar weiterhin bei drei bis vier Prozent herum, weshalb sich nicht nur die Berichterstatter der Medien fragen, woraus sich das neue Selbstbewusstsein der Liberalen eigentlich speist. Ein Selbstbewusstsein, das aktuell gar darin gipfelt, dass die gesamte FDP-Spitze lautstark fordert: Vollständige Gleichstellung homosexueller Paare, und Benjamin Blümchen müsste jetzt eigentlich laut „Tööörrööööööö!!!“ ausstoßen. Man fragt sich, warum die FDP neuerdings ihr Herz für Homosexuelle entdeckt. „Gepennt“ haben die Liberalen bisher in dieser Frage, da hat der schwule Bundestagsabgeordnete Volker Beck von den Grünen vollkommen recht. Diese FDP sitzt immerhin seit drei Jahren mit in der Bundesregierung, aber für Schwule und Lesben haben sie in dieser Zeit und auch davor nichts, aber auch gar nichts getan. Schon deshalb ist es ärgerlich, wenn der schwule Guido Westerwelle auf seiner privaten (!) Homepage das jüngste Urteil des Bundesverfassungsgerichts zum Homo-Adoptionssrecht derart lautstark bejubelt, als sei er, Westerwelle, ein Wegbereiter hierfür gewesen. Er war es nicht! Er war es nie!! Wie dem auch sei: Wer einen auf dicke Hose macht, der muss auch liefern, und genau in diese Kerbe schlägt nun Beck. Er fordert die FDP auf, bereits an diesem Donnerstag im Deutschen Bundestag für einen grünen Antrag zur Gleichstellung Homosexueller im Adoptionsrecht zu stimmen. Ausgesprochen geschickt, raffiniert gar öffnet Beck der FDP dabei ein parlamentarisches Hintertürchen, nach der Geschäftsordnung des Deutschen Bundestages reicht es nämlich schon, wenn die Liberalen der Abstimmung im Bundestag einfach fernbleiben würden. Damit würde dieser Antrag der Opposition klar durchgehen, und CDU/CSU müssten dumm in die Wäsche gucken. Also: Nähme die FDP nach all ihren vollmundigen Ankündigungen vom Wochenende zur Homo-Gleichstellung an der Abstimmung teil und lehnt den Grünen-Antrag ab, dann hat diese Partei auch noch den allerletzten Zipfel an Glaubwürdigkeit verloren. Bleiben die liberalen Bundestagsabgeordneten der Abstimmung aber fern oder sie stimmen gar mit den Grünen, dann wäre das das Ende der Regierungskoalition. Der Donnerstag wird also spannend!

Written by Holger Doetsch

Holger Doetsch ist Bankkaufmann, Redakteur und Autor verschiedener Bücher, unter anderem "Elysander" und "Ein lebendiger Tag". Im Journalismus kennt er alle Seiten des Tischs, er publiziert in mehreren Zeitungen und Onlinemedien, war Pressesprecher (u. a. in der letzten DDR-Regierung) und unterrichtet seit 1995 Journalismus, PR sowie Rhetorik an verschiedenen Hochschulen.

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