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Drag Travestie und Vielfalt Rosa Wölkchen bringt queere Fastnacht ins Fernsehen

hr-fernsehen ROSA WÖLKCHEN 2026, Moderation: Elke Winter

Wenn Elke Winter die Bühne betritt, beginnt eine Fastnachtsshow voller Glamour, Witz und überraschender Momente. „Rosa Wölkchen“, die einzige queere Fastnachtssendung im öffentlich-rechtlichen Rundfunk in Deutschland, wird zum zweiten Mal moderiert von der schillernden Travestiekünstlerin, die mit Charme, Tempo und unverwechselbarem Humor durch den Abend führt. Im Interview mit queerpride.de spricht sie über Travestie, Veränderungen in der Fernsehlandschaft und ihre persönlichen Stärken und Schwächen. Die Sendung Rosa Wölkchen wird ausgestrahlt am Montag, 9. Februar 2026, 21.45 Uhr.

Was ist Euch bei der Gestaltung der Show besonders wichtig – gerade mit Blick auf ein queeres Publikum?

Wir sind der Safe Space der Fastnacht, bei uns sind alle willkommen, wir repräsentieren mit unserem Ensemble, aber auch mit dem ganzen Produktionsteam so viel Vielfalt, so viel Liebe auf allen Ebenen, dass es eine Wucht sein wird, dabei zu sein. Es wird nicht nur in der Halle super, es wird auch im Fernsehen ein richtig toller Abend.

Travestie gehört seit Jahrzehnten zur queeren Kultur. Wie übersetzt Du sie ins Fernsehformat des hr?

Dragqueens sind sehr, sehr anpassungsfähig und Travestie ist so wandelbar, sie passt überall hin, ich muss also eigentlich gar nichts anderes machen als sonst. Gut, ich muss bedenken, dass es auch sehr junge Zuschauende geben wird, da kann ich natürlich einige Wörter nicht verwenden. Danke, Bitte, keck und chic zum Beispiel. Aber im Ernst: Der Hessische Rundfunk war ja immer schon experimentierfreudig und ich bin dankbar, dass er uns so eine wunderbare queere Plattform bietet!

Der hr setzt mit „Rosa Wölkchen“ bewusst ein Zeichen für Vielfalt in der Fastnacht. Hast Du das Gefühl, dass sich der öffentliche Blick auf queere Unterhaltung in den letzten Jahren verändert hat?

Ja und Nein. Auf der einen Seite sind viel mehr Türen auf als noch vor 25 Jahren, auf der anderen gehen bei manchen Menschen die Rolladen viel früher runter als bisher. Deswegen müssen wir dranbleiben – und dazu gehört ganz besonders auch Sichtbarkeit. Es gibt uns. Und wir sind toll.

Du stehst seit vielen Jahren auf der Bühne. Was bedeutet es Dir, mit „Rosa Wölkchen“ am 9. Februar 2026 um 21.45 Uhr ein so großes Fernsehpublikum anzusprechen?

Viel. Ich bin ja von Landgasthof bis Luxuskreuzfahrtschiff überall gewesen und empfinde es als große Ehre, dass ich nun auch zur Primetime im Öffentlich-Rechtlichen vorkommen darf. Im letzten Jahr war es ja schon ziemlich amüsant, ich erwarte von 2026 mindestens die gleiche sehr gute Stimmung und viele positive Botschaften.

Auf welche Momente oder Programmpunkte der Sendung freust Du Dich besonders?

Ehrlich gesagt mag ich oft das Drumherum am liebsten: Kurz vor der Show, wenn alle bereit und im Guten angespannt sind, aber auch das gemeinsame Anstoßen nach der Aufzeichnung und das ganze Geschnatter des Teams, es ist wirklich herrlich, weil alle das Gleiche wollen und sich so freuen. Unabhängig davon wird die Show selbst natürlich auch ein Kracher, ich habe alle ausführlich überprüft. Und sie riechen gut.

Wie würdest Du Dich beschreiben: Kannst uns drei Schwächen und drei Stärken nennen?

Also vorneweg: Ich kann wirklich ganz viele Sachen nicht. Oft aber auch, weil ich sie nicht können will. Aber der Reihe nach. Gut bin ich im Lesen. Also im Lesen eines Raumes. Ich weiß meistens nach wenigen Sekunden, wer da ist, welche Laune hat, wie weit ich gehen kann und wie weit nicht. Man kann Erfahrung eben nicht ersetzen. Zweitens: Ich habe eine starke Haltung und möchte auf der Bühne und im Privatleben nicht zu viel Zeit verplempern mit Dingen, die egal sind oder niemandem etwas bringen. Und ich mache ein hervorragendes Gemüsecurry mit edler Schärfe.

Schwächen: Ach Gott, ja, auf jeden Fall. Fragen Sie doch mal meinen Mann, wenn Sie so viel Zeit haben. Auf jeden Fall neige ich zu Abschweifungen und finde die selbst auch immer sehr, sehr interessant. Ich bin außerdem ziemlich schlecht im Delegieren, das wird Sie nun überraschen, weil das ja gar nicht zu meinem Diva-Status passt, aber ich trage meine Koffer gern selbst und breche mir dabei ständig Nägel ab. Und das finde ich selbst so schlimm, dass das als doppelte Schwäche zählt.

Was würdest Du Zuschauerinnen und Zuschauern sagen, die bislang wenig Berührung mit Travestie oder queerer Fastnacht hatten: Warum sollten sie am 9. Februar unbedingt einschalten?

Na ja, das liegt ja auf der Hand! Man muss nichts schon wissen, nichts schon können, nichts historisch einordnen oder sonst etwas vom Brauchtum wissen – man darf einfach lachen, staunen und sich mitnehmen lassen. Am 9. Februar geht es nicht um Schubladen und Belehrungen, sondern um gute Pointen, große Persönlichkeiten und den Spaß daran, einfach gemeinsam zu merken: Zusammen lachen ist ziemlich gesund! 

Ach so, und, weil ich dabei bin!

Bild: HR/Moritz Baeck.

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