© Andrew Ratto /CC-BY-SA 2.0 (via Flickr Commons)
in

Die zwei queeren Gesichter Israels

Vor knapp zwei Wochen stand Tel Aviv ganz im Zeichen des Regenbogens. Zur größten Parade des Landes versammelten sich mehr als 100.000 Menschen auf dem Meir-Garden-Platz. Bunt gekleidet und bemalt schwenkten sie Regenbogenflaggen, welche für Toleranz und Weltoffenheit stehen, und feierten den Tel Aviv Pride in der gut 400.000 Einwohner großen Stadt. Doch Israel hat zwei Gesichter: Das aufgeschlossene Tel Aviv auf der einen Seite und das konservative Jerusalem auf der anderen.

Das tolerante Israel

In Tel Aviv ist die Gay Parade inzwischen nicht mehr wegzudenken. Sie gehört fest zum Tourismusgeschäft und die Stadt bereitet sich auch dementsprechend auf die queeren Feiertage vor. In diesem Jahr wurden beispielsweise die Bürgersteige einiger Straßen in den Regenbogenfarben bemalt und auch das Rathaus wurde bunt angestrahlt. Schon einige Tage vor dem Pride finden verschiedene Events rund um das Thema Homosexualität statt. Das Angebot reicht von Lesungen und Ausstellungen über Filmabende bis hin zu den großen Partys in den Clubs der Stadt.

Die gesellschaftlichen Veränderungen in Israel wurden auch vom Gesetzt aufgegriffen und in den letzten Jahren gab es viele Anpassungen. Homosexuelle Paare sind im Adoptions- und Steuergesetz heterosexuellen Paaren gleichgestellt und auch beim Wehrdienst gibt es keine Unterschiede zwischen den verschiedenen sexuellen Neigungen. Damit zählt Israel zu einem der fortschrittlichsten Ländern was LGBT-Rechte betrifft.

Das orthodoxe Israel

Das andere Gesicht des Landes zeigt sich vor allem in Jerusalem bzw. in den palästinensischen Gebieten. Dort hat die Religion, welche im gesamten Land einen hohen Stellenwert besitzt, eine noch höhere Bedeutung. Selbst heterosexuelle Paare, gemeinsam Hand in Hand gehend, wird man dort kaum in der Öffentlichkeit vorfinden. Von Schwulen und Lesben braucht man erst gar nicht reden.

Beim Pride in Jerusalem kommt es immer wieder zu Gegenprotesten und die Teilnehmer müssen durch die Polizei geschützt werden. Homosexualität ist weitergehend ein Tabu. Immerhin gibt es dennoch zwei Organisationen, welche sich in den palästinensischen Gebieten für Schwule, Lesben und Transsexuelle einsetzten.

Die Szene in Jerusalem ist im Vergleich zu Tel Aviv verschwindend gering.

Obwohl Israel eine sehr fortschrittliche Gesellschaft und Gesetzgebung besitzt, bleibt auch weiterhin viel zu tun bis Homosexuelle genauso frei und unbeschwert leben können wie ihre heterosexuellen Mitmenschen.

Written by Maik Friedrich

US-Armee treibt die Gleichstellung der Homo-Ehe an

Homophobie – Bis zur Akzeptanz Homosexueller ist es noch ein langer Weg

oslo Pride EuroPride

Der EuroPride in Oslo