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Die Geschichte von Poppers

Viele schwule und bisexuelle Männer verwenden Poppers als euphorisierende Droge. Poppers sind Inhalationsmittel in kleinen, praktischen Fläschchen, die beim Sex für einen intensiven und desorientierenden Schub (Rush) sorgen und dabei helfen, Muskeln in Hals und Anus zu entspannen.

Dieser Effekt ist beim Oral- und Analsex natürlich enorm hilfreich. Poppers (stets plural) bestehen aus Amylnitrit, Isopropylnitrit, Cyclohexylnitrit oder Mischungen daraus. Sie haben einen chemischen Geruch (ähnelt an Chloroform) und eine stark gefäßerweiternde und durchblutungssteigernde Wirkung.

Die psychische Wirkung, eine Intensivierung von Empfindungen, setzt nach 5 bis 15 Sekunden nach Gebrauch ein und hält, abhängig von der inhalierten Menge, zwischen einer und zehn Minuten an.

Als Partydroge werden Poppers gern verwendet. Sie lassen die User durch eine Veränderung von Licht- und Tonwahrnehmung, wenn auch nur für kurze Zeit, euphorisch und frei fühlen.

Poppers – wie alles begann…

Nachdem der französische Chemiker Antoine-Jérôme Balard 1844 erstmals Amylnitrit herstellen konnte, wurde das Präparat im Jahre 1867 vom britischen Arzt Sir Thomas Lauder Brunton (1844-1916) zur Behandlung von Angina Pectoris (plötzlich auftretende Brustschmerzen, aufgrund einer mangelnden Durchblutung des Herzens) verwendet.

Amylnitrit bewirkt neben einer Erweiterung der Gefäße und Erhöhung der Herzdurchblutung ebenfalls eine Schmerzlinderung und einen warmen, entspannenden Rausch. Aus diesem Grund konnte sich der Wirkstoff damals als Medikament bei Angina Pectoris Anfällen erfolgreich durchsetzen.

Heute nutzt man in diesem Fall Nitroglycerin Sprays. Lauder Brunton erlangte damals mit dieser neuen Behandlungsform einen gewissen Bekanntheitsgrad unter den Medizinern.

Im Handel wurde Amylnitrit damals in netzbedeckten Glasfläschchen verkauft, die beim Öffnen ein „Knack“ Geräusch (Englisch=Popp) von sich gaben. Daher der Name „Poppers“. Das Netz schützte die Haut der Benutzer vor Scherben, während man die kleinen Ampullen „aufknackte“ und die Dämpfe einatmete.

Sind Poppers heute legal? JEIN…

Der Besitz unterliegt in den deutschsprachigen Ländern (Deutschland, Österreich, Schweiz) keinen betäubungsmittelrechtlichen Vorschriften und ist damit legal. Der Kauf, Verkauf oder Handel von Poppers verstößt jedoch gegen die Arzneimittelgesetze der entsprechenden Länder… außer in Österreich. Hier ist man eher kulant.

Und last but not least: Risiken bei Überdosierung von Poppers

Studien beweisen, dass Poppers die Sauerstoffversorgung des Gehirns verringern und eine schnelle, flache Atmung, verschwommenes Sehen, Schwindel und Ohnmacht verursachen können.

Erblindung, Lungenkrebs und Tod aufgrund eines Schocks wurden ebenfalls der Überdosierung und Langzeitverwendung von Poppers zugesprochen. Trotz der bekannten Risiken verwendt ein Drittel aller schwulen und bi-Männer Poppers und der Einsatz bei Heterosexuellen wächst stetig weiter.

Überdosierung kann zu akutem Blutdruckabfall, im Extremfall zum Schock führen, wenn durch die Gefäßerweiterung im Körper die Blutversorgung des Gehirns nicht mehr gewährleistet werden kann.

Was zu tun, wenn dein Partner überdosiert hat? Symptomorientierte Notfallbehandlung wegen der Herz-Kreislauf-bezogenen Symptome: Bewegen der Extremitäten, Kopf tief lagern, tief ein- und ausatmen mit dem Ziel der Förderung des Venenrückflusses.

Bild: Claude Truong-Ngoc.

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