Eine aktuelle Umfrage zeigt, dass die gesellschaftliche Akzeptanz von Homo- und Bisexuellen in Deutschland weit fortgeschritten ist, während trans und nichtbinäre Menschen weiterhin auf deutlich mehr Vorbehalte treffen. Die Erhebung wurde von Pollfish unter 1.000 Personen im Auftrag des Erotikportals Erobella durchgeführt.
Laut den Ergebnissen befürworten 75 Prozent der Befragten die Ehe zwischen Menschen gleichen Geschlechts. 72 Prozent würden auch einen homosexuellen Kanzler oder eine homosexuelle Kanzlerin akzeptieren. Gleichzeitig wird deutlich, dass geschlechtliche Minderheiten noch immer auf stärkeren Widerstand stoßen als sexuelle Minderheiten.
Gleichgeschlechtliche Ehe ist breit akzeptiert
Die Studie zeichnet das Bild eines Landes, das gegenüber lesbischen und schwulen Menschen deutlich offener geworden ist. Fast drei Viertel der Befragten sprechen sich für die Ehe für alle aus, und eine Mehrheit würde auch eine homosexuelle Spitzenperson in der Politik mittragen. Besonders hoch fällt die Zustimmung bei den Anhänger*innen der Grünen, der Linken und der SPD aus.
Auch bei der Parteipräferenz wird sichtbar, dass die Zustimmung nicht überall gleich ausfällt. Bei den Grünen liegt die Unterstützung für die Ehe für alle bei 92 Prozent, bei der Linken bei 89 Prozent und bei der SPD bei 84 Prozent. Dahinter folgen die FDP mit 82 Prozent, die Union mit 77 Prozent und das BSW mit 70 Prozent. Selbst in der AfD befürwortet laut Umfrage noch eine Mehrheit von 60 Prozent die gleichgeschlechtliche Ehe.
Trans und nichtbinär bleiben strittig
Anders sieht es bei trans und nichtbinären Menschen aus. Nur 32 Prozent der Befragten halten die offizielle Anerkennung eines dritten Geschlechts für richtig. Gleichzeitig sagen 72 Prozent, sie hätten kein Problem damit, wenn ihr Kind homosexuell wäre, während dieser Wert bei einem trans Kind auf 48 Prozent sinkt. Das zeigt, dass Zustimmung zu sexueller Vielfalt und Akzeptanz von geschlechtlicher Vielfalt in Deutschland nicht dasselbe ist.
Die Umfrage zeigt außerdem Unterschiede nach Alter und Geschlecht. Frauen sind laut den Ergebnissen insgesamt etwas offener gegenüber queeren Rechten als Männer. Überraschend ist, dass ältere Menschen leicht höhere Zustimmungswerte zeigen als jüngere: Bei den 18- bis 39-Jährigen befürworten 73 Prozent die Ehe für alle, bei den über 60-Jährigen sind es 78 Prozent. Die Meinungsforscher*innen kommen deshalb zum Schluss, dass Deutschland zwar offener sei als vor zehn Jahren, die gesellschaftliche Gleichstellung aber noch nicht vollständig erreicht habe.
Die politische Einordnung der Umfrage fällt klar aus: Laut den Forschenden ist die Polarisierung ein wesentlicher Faktor dafür, warum geschlechtliche Minderheiten stärker abgelehnt werden als homosexuelle Menschen. Vor allem trans* Personen und nichtbinäre Identitäten bleiben demnach zentrale Herausforderungen für eine inklusive Gesellschaft.