Als ich 2024 zum ersten Mal davon hörte, dass Madonna 20 Jahre nach Confessions on a Dance Floor eine Fortsetzung zusammen mit Stuart Price rausbringen wollte, war ich begeistert von der Idee und hoffte, dass es nicht nur eine Wunschvorstellung von Fans ist. Ich wurde belohnt. Wie Millionen anderer Fans auch. Seit dem 3. Juli 2026 ist Confessions II draußen, Platz 1 in UK und den USA, Platz 2 in Deutschland.
Es ist aus meiner Sicht eines ihrer besten Alben. Bewusst als durchgehender Mix gebaut, keine Songsammlung, sondern eine Ansage gegen die Streaminglogik. 64 Minuten Groove ohne Pause, ein Track fließt in den nächsten. Ein in sich abgeschlossenes Album, was mich immer wieder schwanken lässt, welches die Top Songs sind. Im Moment die Top 4: One Step Away, School, Love Sensation und L.E.S. Girl.
Und sie zeigt wieder genau das, wo die allgemeine Kritik besteht, in der Art: muss sie sich das in ihrem Alter antun. Das ist so nervig, solche Attitude. Mit 67 beweist sie das Gegenteil und entschuldigt sich für gar nichts. Sie zeigt es allen mit perfektem House Sound.
Musikalisch keine Nostalgie Nummer. Gesampelt wird Lil Louis’ French Kiss im Opener I Feel So Free, Lou Reed auf Danceteria, dazu Inner City und Army of Lovers. Danceteria selbst erzählt von ihrer Zeit im gleichnamigen New Yorker Club vor dem Durchbruch. Die Gäste sind generationsübergreifend: Sabrina Carpenter auf Bring Your Love, dazu Martin Garrix, Feid und Stromae, und bei The Test singt Tochter Lourdes mit. Persönlich wird es bei Fragile, das von ihrem 2024 verstorbenen Bruder Christopher Ciccone handelt. Und der Kern des Ganzen steht in One Step Away: Tanzmusik sei nicht oberflächlich, die Tanzfläche eine Schwelle, ein ritueller Raum. Genau so hört es sich an.
Wie sehr das Ganze auch als Erlebnis gedacht ist, zeigte schon die Reihe an Releaseshows. Los Angeles machte im April den Anfang, mit einem Auftritt im legendären Schwulenclub The Abbey in West Hollywood. Danach ging es weiter über London, wo Madonna am 2. Juli selbst hinter dem DJ Pult stand, gemeinsam mit Stuart Price, Honey Dijon, Jodie Harsh und Horse Meat Disco, bis nach Paris und New York. Für Sammler gibt es das Album zudem als limitierte Extended Vinyl Version auf durchsichtig rosafarbener Doppel LP.
Und die Community liebt es gerade wortwörtlich auf der Bühne: Heute, am 1. August, ist Amsterdam dran. Auftritt beim World Pride Music Festival, organisiert von MISTR, wieder mit Stuart Price und Honey Dijon sowie bislang unangekündigten Special Guests, der bisher größte Stop der Reihe. Die Ankündigung hat die Fan Community regelrecht in einen Freudentaumel versetzt, passend zur Canal Parade, die an diesem Tag zwischen 500.000 und 750.000 Zuschauer an Amsterdams Grachten zieht. Besser lässt sich ein Sommer mit diesem Album kaum feiern.