Vorurteil

Vorurteil - dieses Wort hat tatsächlich vier verschiedene Bedeutungen:

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Zum einen gilt ein Vorurteil als vorab wertendes Urteil, das eine Handlung führt und in diesem Sinne endgültig (sprich nicht ablegbar) ist. Meistens handelt es sich um eine wenig reflektierte Meinung - ohne verstandesgemäße Wertschätzung und Beachtung aller relevanten Eigenschaften eines Sachverhalts oder eines Menschen. Anders als ein einfaches Urteil ist das Vorurteil für denjenigen, der es hat, oft der Ausgangspunkt für motivgesteuerte Handlungen und Handlungsweisen. Umgangssprachlich bezeichnet man das Wort Vorurteil auch als Vorliebe oder Bevorzugung. Doch im Vergleich zum Vorurteil sind jene Synonyme nicht endgültig - können aber ein Vorurteil bestätigen und dauerhaft festlegen. Das Vorurteil findet in unserer Alltagssprache meist nur eine negativ besetzte Position, da es oft jede Art von negativer Kritik, die an einer Sache ausgeübt wird, bezeichnet.
Die restlichen Bedeutungen des Wortes Vorurteil lauten wie folgt:

-> im semantischen Sinne ist das Vorurteil ein vorläufiges Zwischenergebnis während einer Urteilsentwicklung

-> im psychologischen Sinne bezeichnet das Vorurteil eine Einstellung gegenüber Gruppen, mit negativen affektiven (Feindseligkeit), kognitiven (Stereotypen) und Verhaltenskomponenten (Diskriminierung)

-> Wissenschaftler die bei Forschung von Vorurteilen behindert werden, bemühen sich einige geisteswissenschaftliche Ansätze um deren Aufklärung (Vorurteilsforschung)


Vorurteile gegenüber Homosexuellen

1. Homosexualität ist eine Krankheit oder Sexualneurose

Früher waren sich manche Ärzte einig, dass Homosexualität eine Krankheit oder eine erlangte Sexualneurose ist. Gestützt wurde diese Meinung durch die Befragung Schwuler (durch Psychologen). Dabei stellte sich heraus, dass Homosexuelle häufiger unter psychischen Problemen leiden als heterosexuelle Männer. Doch es gab ein großes Problem bei jener Befragung: Es wurden ausschließlich Schwule befragt, die sich in einer psychologischen Betreuung befanden. Hätte man die Befragung in selber Weise bei Heterosexuellen durchgeführt, so hätte man wohl „herausgefunden“, dass Heterosexuelle häufig psychische Probleme haben. Um es ganz absurd werden zu lassen: früher waren sich viele Ärzte einig, dass Masturbation Rückenmarksschwund, krumme Finger etc. verursacht. Diese Aussage ist ebenso falsifiziert wie die Aussage, Homosexualität sei eine Krankheit.

2. Homosexualität ist pervers

Mit dem Begriff „pervers“ sollte man vorsichtig sein. Der medizinische Duden beschreibt das Wort „pervers“ folgendermaßen: „(psychisch) abnorm, abwegig, krankhaft (veranlagt oder empfindend; Psychol.).“ Das Wörterbuch der Etymologie (die Wissenschaft, die sich mit der Herkunft von Wörtern beschäftigt) sagt Folgendes über das Wort „pervers“ aus: „widernatürlich, geschlechtlich unnormal; aus lat. perversus‚ verkehrt‚ umgedreht, zu pervertere‚ umkehren, umstürzen, verderben, aus per-‚ ganz, völlig und vertere‚ wenden". Es ist korrekt, dass Homosexualität nicht der Norm entspricht, dennoch hat Homosexualität absolut nichts mit einer Krankheit oder Ähnlichem zu tun; außerdem entspricht es ebenso nicht der Norm, wenn eine Person rote Haare hat oder über 190 cm groß ist. Abweichungen müssen nicht negativ sein.

3. Schwule wollen lieber eine Frau sein, Lesben lieber ein Mann

Dies gilt in der Regel nur für transsexuell veranlagte Personen. Außerdem muss eine "Transe" nicht unbedingt schwul sein. Immer häufiger treten Männer in die Öffentlichkeit, die sich selbst als „metrosexuell“ (heterosexuell, leicht feminin und körperbewusst) bezeichnen. Der bekannteste Metrosexuelle dürfte der Fußballspieler David Beckham sein, der angeblich gerne Kleidungsstücke seiner Frau trägt.

4. Homosexualität ist Erziehungssache

Dieser Irrglauben ist Ursprung vieler Vorwürfe, die sich Eltern machen. Es gilt als wissenschaftlich erwiesen, dass die Erziehung keinen Einfluss auf die Homo- oder Heterosexualität eines Kindes hat. Die Erziehung kann maximal beeinflussen, wie ein Homosexueller mit der eigenen Sexualität umgeht und dazu steht.

5. Der erste Geschlechtsverkehr entscheidet über Homo- oder Heterosexualität

Das ist definitiv falsch. Sonst wäre ein mehr als zwei- bis fünfmal so großer Teil der Bevölkerung homosexuell - schließlich sammeln viele Jungendliche ihre ersten sexuellen Erfahrungen unter Geschlechtsgenossen. Unter heterosexuellen Jungen sind homosexuelle Kontakte dabei häufiger als unter heterosexuellen Mädchen.

6. Schwule sehen schwul aus und sprechen „tuntig“

Es stimmt, dass ein Teil der Schwulen bestimmte Erkennungsmerkmale verwendet. Sie kleiden sich auffällig, schminken sich und reden in einem eigenartigen Tonfall. Die meisten Schwulen tun dies allerdings nicht. Ein rosa Hemd kann man auch nicht mehr als „Schwulenkleidung“ bezeichnen, da sich mittlerweile viele Heterosexuelle „schwul“ kleiden.

7. Schwule spielen mit Puppen

Es ist zwar ebenfalls nicht unbedingt häufig, dass ein Junge mit einer Puppe spielt, jedoch hat dies genauso wenig mit seiner sexuellen Orientierung zu tun wie seine Lieblingseissorte.

8. Schwule hassen Frauen, Lesben hassen Männer

Homosexuelle lieben zwar das eigene Geschlecht, dies heißt aber nicht, dass sie deshalb das andere Geschlecht hassen - oft ist überhaupt kein Verhaltensunterschied erkennbar.

9. Schwule denken immer und überall an Sex

Die Libido (der Sexualtrieb, sexuelles Verlangen) von Schwulen unterscheidet sich kaum von dem heterosexueller Männer; außer natürlich, dass Homosexuelle Geschlechtsverkehr mit dem eigenen Geschlecht bevorzugen.

10. AIDS gibt es nur bei Schwulen

Dass dieses Vorurteil nicht der Wahrheit entspricht, müssen wir sicherlich nicht erklären. Die Zahl der Heterosexuellen, die mit dem HI-Virus infiziert sind, ist sogar größer als die Zahl der Homosexuellen, die mit dem HI-Virus infiziert sind.

11. Schwule sind Memmen

Es gibt solche und solche - wie bei Heterosexuellen auch. Jeder Mensch ist einzigartig, hat seine Stärken und Schwächen. Auch hier besteht kein nennenswerter Unterschied zwischen Hetero- und Homosexuellen.

12. Homosexuelle bringen unserer Gesellschaft nichts, da sie keine Kinder bekommen

In Sachen Fortpflanzung mögen Schwule wohl den gleichen Nutzen wie ein katholischer Pfarrer haben. Jedoch haben die meisten Schwulen eine Arbeitsstelle und machen sich dort für die Gesellschaft nützlich - wie der Pfarrer auch. Außerdem sind Schwule oft in besser bezahlten Berufen zu finden und somit gute Steuerzahler. Auch die Kirche, welche Homosexualität offiziell ablehnt, hätte ein riesiges Problem, wenn alle Homosexuellen aus dieser austräten.

13. Schwuler Sex: am liebsten von hinten

Es mag sehr viele Schwule geben, die Analsex bevorzugen. Es gibt jedoch ebenso viele heterosexuelle Paare, die diese sexuelle Praktik betreiben. Zudem ist Analsex nicht bei allen Schwulen beliebt. Es gibt nicht wenige Schwule, die diese Praktik ablehnen oder „ekelhaft“ finden. Anmerkung: Für diese Praktik gibt es spezielle Kondome, so genannte „Analkondome“ (diese sind „stabiler“ als gewöhnliche), welche man beispielsweise in der Apotheke kaufen kann.

14. Jungen können durch Verführung schwul werden

Auch weit verbreitet ist der Aberglaube, heterosexuelle Jungen könnten durch Verführung schwul werden. Dies ist natürlich vollkommener Schwachsinn: einen heterosexuellen Jungen kann man genauso wenig zur Homosexualität verführen wie einen schwulen Jungen zur Heterosexualität.

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