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Kreativer Protest in Odessa

Auf Einladung der Gay Alliance Ukraine veranstaltet Munich Kiev Queer zusammen mit der LGBT-Community einen Kreativ- und Musik-Workshop in Odessa.

Aktionen in Odessa

Munich Kiev Queer weitet seinen Wirkungsbereich auf Odessa aus. In der ukrainischen Stadt am Schwarzen Meer zeigt die Künstlerin Naomi Lawrence ihre Ausstellung Gay Propaganda und bietet, wie die Musikerin Barbara Lux von der Frauen-Rockband Sally Rides, Workshops für die LGBT-Szene an. Das Angebot kommt bei der Community sehr gut an.

Es ist keine Premiere, dass die Kontaktgruppe Munich Kiev Queer mit Projekten außerhalb der ukrainischen Hauptstadt Kiews unterwegs ist. Die Ausstellung „Sie war ganz schlimm schön“ (Barbara Stenzel) gab es bereitsein Kherson zu sehen; die Werke der Ausstellung „Gay Propaganda“ von Naomi Lawrence waren erst vor kurzem in Toronto beim World Pride zu Gast. Nun sind die Münchner allerdings zum ersten Mal selbst in eine andere Stadt der Ukraine gereist.

Auf Einladung der Gay Alliance Ukraine, der größten LGBT-Organisation des Landes, hat die Künstlerin Naomi Lawrence die Ausstellung Gay Propaganda nun nach Odessa gebracht; die Frauen-Rockband Sally Rides aus München spielte dazu. Parallel haben Naomi Lawrence und die Musikerin Barbara Lux zwei Workshops in der Stadt am Schwarzen Meer angeboten. Die Gay Alliance Ukraine betreibt in mehreren ukrainischen Städten so genannte Queer Homes, so auch in Odessa, wo sich die örtliche LGBT-Community zu gemeinsamen Freizeitaktivitäten und politischen Aktionen trifft. Nina Verbytska, die schon zweimal in München war, leitet das Queer Home in Odessa. Sie hat für die acht Gäste aus München – neben Lawrence und Lux reisten die Frauen-Rockband Sally Rides, die Fotografin Bethel Fath und eine Übersetzerin mit – ein umfangreiches Rahmenprogramm organisiert.

„Wir sind von der Woche in Odessa sehr angetan“, erklärt Conrad Breyer, der mit den Frauen von Munich Kiev Queer in die Ukraine gefahren ist. Er kümmert sich um die Pride-Kooperation zwischen dem Münchner und Kiewer CSD. „Alles war perfekt vorbereitet und die Community hier vor Ort hat uns herzlich empfangen – vor allem aber hat sie ordentlich mitgetan. Dafür wollen wir insbesondere Nina Verbytska danken.“

Die Workshops in Odessa

Die Frauen von Sally Rides, Maria Cincotta (Vocals, Gitarre), Julie Kopec (Drums) und Barbara Lux (Bass), haben mit der Szene in Odessa einen Musik-Workshop veranstaltet, ein Rock Camp im Kleinen. Gekommen sind fünf Leute, die an einem Nachmittag gelernt haben, ein Instrument zu spielen und ihren eigenen Song vorzuführen. Sie möchte Munich Kiev Queer beim Aufbau eines eigenen Rock Camps unterstützen und in die Vorbereitung des Chorfestivals Various Voices einbinden, das 2018 nach München kommt.

Naomi Lawrence hat an zwei Tagen einen Workshop mit dem Titel „Kreativer Protest“ abgehalten. „Protest muss positiv sein. Nur so können wir Menschen überhaupt erreichen“, erzählt die Münchnerin. „Gerade wenn die Ressourcen knapp sind, Geld etwa oder Material, kommen oft die tollsten Sachen heraus, weil es Phantasie braucht, um die Ideen umzusetzen.“ Lawrence war mit dem Ergebnis mehr als zufrieden. Acht Leute aus Odessa und der Umgebung haben sich beteiligt und sechs kleine politische Aktionen durchgeführt. Dabei ging es um LGBT, Umweltschutz, bessere Radwege, Mülltrennung und die politische Situation im Land, welche die Aktivistinnen und -Aktivisten beschäftigt. So haben sie vor dem Woronzow-Palast einen Fernseher aufgestellt, angemalt in den russischen Farben, und darauf den Satz geschrieben: „Fernsehen ein, Gehirn aus!“, um auf die Propaganda des Putin-Regimes aufmerksam zu machen. Auch der Putin-Kopf aus Pappmaché, den Naomi Lawrence erstmals zum CSD 2013 in München auf die Straße geschickt hatte, kam zum Einsatz. Alle Objekte wurden an Ort und Stelle zurückgelassen.

Die Kontaktgruppe Munich Kiev Queer koordiniert die Zusammenarbeit zwischen der Münchner und Kiewer Szene, seitdem die Partnerstädte auch im LGBT-Bereich kooperieren. Es geht um politische Aktionen, einen kulturellen und fachwissenschaftlichen Austausch, auch um eine gemeinsame Öffentlichkeitsarbeit mit dem Ziel, die Menschenrechtssituation für Lesben, Schwule, Bisexuelle und Transgender in der Ukraine, aber auch in Deutschland zu verbessern. KyivPride und CSD München unterstützen sich ebenfalls gegenseitig. Gefördert wird die Zusammenarbeit von der Landeshauptstadt München.

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