Ist Schwulsein normal? Studie sagt: Ja!

© Mm.Toronto /CC-BY-SA 2.0 (via Wikimedia Commons)
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Ist Schwulsein normal? Eine neue Studie sagt: Ja! Das dürfte alle die ein wenig beruhigen, die vor einem Coming-out stehen und Beschimpfungen und Ablehnung befürchten. Auch ein Blick in die Tierwelt gibt interessante Aufschlüsse.

Ist Schwulsein normal? Epigenetische Schalter entscheidend!

Eine neue Studie zur Entstehung von Homosexualität zeigt: Schwulsein ist normal, weil sie unter anderem durch epigenetische Strukturen festgelegt ist. Laut dem Evolutionsbiologen William Rice von der University of California bilden sich unabhängig von Umwelteinflüssen kurz nach der Befruchtung biochemische Veränderungen an und neben den Genen der Zellen aus, so Rice in Santa Barbara. Männliche Embryonen erhielten eine Art „Programm“, das die Wirkung des später auftauchenden männlichen Geschlechtshormons Testosteron verstärken würde, so Rice weiter. Die „epigenetischen Schalter“ würden dabei einem Dilemma vorbauen. Wenn sich die sekundären Geschlechtsmerkmale ausbilden, sei es selten, dass Mädchen zumindest zeitweilig mehr Testosteron produzieren als gleichaltrige Jungen. Dank der frühen Prägung werde die Entwicklung dennoch fast immer gemäß dem biologischen Geschlecht kanalisiert.

Schwulsein ist nicht wider die Natur

Dank einer frühen Prägung würde die Entwicklung fast immer gemäß dem biologischen Geschlecht kanalisiert. Ist aber die epigenetische „Botschaft“ eines Elternteils in der Keimzelle nicht vollständig gelöscht, erbe das Kind auch dessen Prägung. Bleibe dabei das Geschlecht gleich, etwa indem ein Mädchen die „Schalter“ der Mutter erbt, würde dieser Tatbestand die späteren sexuellen Merkmale beziehungsweise Verhaltensweisen verstärken. Erbt ein Kind im Gegenteil jedoch die Strukturen des gegengeschlechtlichen Teils der Eltern, dann schwächen sich diese laut William Rice ab. Übersetzt heißt dies: Wenn ein Junge das epigenetische Programm seiner Mutter oder ein Mädchen das des Vaters erbt, erhöht sich die Wahrscheinlichkeit einer bi- oder homosexuellen Veranlagung.

1.500 Tierarten kennen Homosexualität

Die Forscher gehen weiterhin davon aus, dass die Verstärkung sexueller Merkmale bei Menschen, die epigenetische Schalter von dem Elternteil ihres eigenen Geschlechts geerbt haben, diesen Effekt entsprechend kompensieren. Diese Menschen bekämen übrigens überdurchschnittlich viele Kinder – eine Annahme, die durch einen Blick in die Tierwelt, hier bei Schafen – bestätigt wird. Tiere waren es bisher auch, die als Beweis dafür fungierten, dass Schwulsein normal ist und eben nicht wider die Natur, was Gegner der Homosexualität allzu gerne behaupten. Formen gleichgeschlechtlicher Sexualität sind bisher bei über 1.500 Tierarten festgestellt worden, davon sind an die 500 umfangreich dokumentiert. Etliche Tiere leben gar in langjährigen Beziehungen zusammen und ziehen gemeinsam Tierkinder groß. Allerdings sagen Tierforscher auch, dass Begrifflichkeiten wie „lesbisch“ oder „schwul“ rein menschliche Begriffe seien, die im Tierreich keine Bedeutung hätten.

Holger Doetsch

Holger Doetsch ist Bankkaufmann, Redakteur und Autor verschiedener Bücher, unter anderem "Elysander" und "Ein lebendiger Tag". Im Journalismus kennt er alle Seiten des Tischs, er publiziert in mehreren Zeitungen und Onlinemedien, war Pressesprecher (u. a. in der letzten DDR-Regierung) und unterrichtet seit 1995 Journalismus, PR sowie Rhetorik an verschiedenen Hochschulen.

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