Intersexuelle: Warum die Einteilung in zwei Geschlechter Schaden anrichtet

Der Biologe und Sozialwissenschaftler Heinz-Jürgen Voß (33) erklärt in einem Interview mit dem Magazin „chrismon“ (Ausgabe 9.2013), es sei sinnvoll, dass Eltern von intersexuellen Babys nicht mehr „weiblich“ oder „männlich“ ankreuzen müssen. In solchen Fällen müsse die Geschlechterangabe offen bleiben. Besser wäre es, wenn die Formulare neben „männlich“ und „weiblich“ auch „andere Geschlechter“ beinhalten würden.
Es gäbe „unzählige“ Geschlechter, so Voß weiter, denn das Geschlecht werde auf vielen Ebenen geprägt: „Chromosomen, Hormone, Geschlechtsorgane, das Aussehen – und nicht zuletzt die Art, wie ich erzogen werde, mich kleide und mich selbst zuordne“, sagte Voß weiter. Insofern widerspreche es den Realitäten, wenn man intersexuelle Babys nur in „männlich“ oder „weiblich“ einteilen könne. Im übrigen habe für ihn die Geschlechterfrage keine besonders große Bedeutung, sie habe allenfalls „einen Stellenwert wie (…) das Sternzeichen oder ob ich Tiere mag. Man kann danach fragen, aber es ist nicht wirklich von Bedeutung.“ Wichtiger sei es, dass „Kinder, die weder Junge noch Mädchen sind, in Ruhe aufwachsen können, ohne gewaltsame geschlechtszuweisende Eingriffe.“

Bild: © queerpride.de

Holger Doetsch

Holger Doetsch ist Bankkaufmann, Redakteur und Autor verschiedener Bücher, unter anderem "Elysander" und "Ein lebendiger Tag". Im Journalismus kennt er alle Seiten des Tischs, er publiziert in mehreren Zeitungen und Onlinemedien, war Pressesprecher (u. a. in der letzten DDR-Regierung) und unterrichtet seit 1995 Journalismus, PR sowie Rhetorik an verschiedenen Hochschulen.

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